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FUJII und „Cherry Dream Machine“: Musikalischer Kirschblütenduft

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So, 30.12.2018 - 13:41
Man soll Bücher ja nie nach ihrem Einband bewerten und das gilt auch für Alben. Das Cover von „Cherry Dream Machine“ gehört zu den schönsten Artworks des Jahres, zumindest im Vaporwave. Ob die Musik da mithalten kann, ist fraglich.

Im Vaporwave gibt es neben der Musik auch die sogenannten A E S T H E T I C S. Das sind Bilder, häufig mit unzähligen PNGs oder einfach ästhetisch aufgrund der Farbgebung oder sichtbaren Grundstimmung, die überladen und dennoch gefühlvoll wirken. Nicht immer passen die Bilder auch zu den Songs auf dem Album.

FUJII startet das Album mit entspannten Klanglandschaften und einem sanften Beat. „Birds“ und „Breaking“ erinnern ein wenig an Vapor-Trap, einer mit Trap-Beats versehenen Vaporwave-Variante, welche besonders durch Blank Banshee an Form gewann. Die sanften Töne umschmeicheln die synthetischen Drumbeats und würden einwandfrei als Untermalung einer GIF-Datei funktionieren, bei der Anime-Charaktere auf einem Hügel stehen, der Wind durch die Haare weht und Kirschbaumblütenblätter durch das Bild schweben.

Im Verlauf des Albums wird die Musik ein wenig aufgeregter und Tracks wie „Ballad“ klingen schroffer. Der Sound erinnert teils an die dystopischen Klänge des Post-Internet, ohne dessen massives Looping zu verwenden. Die Entspannung, welche die ersten Tracks noch brachten, weicht einem eher düsteren Cyber-Punk-Feeling, welches in Filme wie „Blade Runner“ passen würde.

Klang der Sound vorher noch nach fliegenden Blütenblättern, erinnert er nun an L.A. bei Nacht im Regen. Die Klanglandschaften entwickeln sich im Verlauf des Albums eher in die Richtung des Synthwave oder Darkwave, wechseln zum Ende hin jedoch wieder zu dem ruhigen und flächigen Sound der ersten Tracks.

Das Albumcover verspricht ruhige und sanfte Klänge, aber das Album ist größtenteils düster und ein wenig bedrohlich. Die Kombination aus Darkwave-Sound und Vapor-Trap funktioniert besser als man annehmen mag, auch wenn die Mischung ein wenig das Hörerlebnis stört, da der Wechsel recht hart ist. Wer aber beides mag, ist mit dem Album von FUJII gut bedient.