In Flames - Battles

Es findet ein Umbruch statt bei „In Flames“. Dem altbekannten Death-Metal-Sound wenden sie größtenteils den Rücken zu, um sich anderen, vielleicht sogar eher salonfähigen Klängen hinzugeben. „Battles“, das inzwischen zwölfte Studioalbum, zeigt, dass es die fünf Schweden auch anders können.
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Wie schon auf den letzten Alben startet auch „Battles“ mit der Ruhe vor dem Sturm. Track Numero Uno, „Drained“, beginnt mit der leise gezupften und verzerrten E-Gitarre, bis die Drums losscheppern und Anders Fridén uns mit seinen Shouts beglückt. Die Strophe hat richtig Power und geile Riffs. Die Hook ist dabei im Gegensatz dazu erstaunlich ruhig.

Weiter geht es mit „The End“. Der Song beginnt mit dem altbekannten und gern gehörten Melo-Death-Sound, eben ganz typisch „In Flames“. Der Song reißt mit, ab der Hook wird es dann aber verwirrend, denn der Sound wird plötzlich tanzbar. Das hatte ich bei „In Flames“ noch nicht gehört. Auch ungewohnt: Der Frauenchor im Refrain. Passt aber verdammt gut. Mein Highlight im Track: Das Solo von Björn Gelotte. Dessen Gitarrenspiel ist allgemein etwas, wovon das Album lebt. Einen großen Überraschungsmoment gab es bei Track vier, „The Truth“. „We are”-Chants sind etwas, was ich bei Papa Roach oder Bring Me the Horizon erwartet hätte, aber nicht bei In Flames. Aber auch das passt und es fügt sich wieder in einen geilen Track ein. Aber machen wir einen Sprung zu meinem Highlight der Platte: „Wallflower“. Der siebenminütige Track beginnt mit einem zwei Minuten langen Gitarrenintro, doch danach wird es leiser und die Strophe beginnt zum langsamen Schlagzeugbeat. Zwischendurch setzt dann doch Gelotte mit dem Leitriff ein, was einen kleinen erzeugten Spannungsbogen perfektioniert. Anschließend wird es in der folgenden Strophe direkt wieder leiser, bis zum Refrain dann der Rest der Band voll einsetzt. Das Spiel mit der Lautstärke und der Stille ist auch etwas Neues auf einer In Flames-Platte, darf aber gerne öfter kommen.

Zum letzten Song wird es nochmal ungewohnt. „Us Against The World“ heißt das gute Stück. Auf der einen Seite ist der Track noch ein Ausflug in die alten Melo-Death-Zeiten, jedoch macht der Text unmissverständlich klar, dass man im hier und jetzt ist. Der ist nämlich ungewohnt romantisch. Mit gutem Gewissen kann man bei „Us Against The World“ von einer Liebesgeschichte sprechen. Trotz aller Neuerungen wirkt das Ganze aber authentisch und rundet so das Album gelungen ab.

Das Erstaunliche ist, dass In Flames mit „Battles“ etwas geschafft haben, woran viele andere Bands gescheitert sind: Den Sprung zu melodischerem Sound und massentauglicheren Texten, ohne die eigene Authentizität zu verlieren oder sich selbst zu verleugnen. Auch wenn das Album schon oft verrissen wurde, für mich haben die Schweden hier eine starke Leistung und somit unser Album der Woche abgeliefert.