Every Time I Die und "Radical": Radikal anders?

Die amerikanische Metalcore-Band Every Time I Die bringt mit „Radical“ ihr neuntes Studioalbum in 20 Jahren Bandgeschichte auf die Plattenteller. Kann es da überhaupt noch Überraschungen geben?
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Überraschend ist auf jeden Fall der Einstieg ins Album, wenn man panisch den Lautstärkeregler suchen muss, weil die ersten zehn Sekunden wie eine Mikrofonrückkopplung und dementsprechend sehr unangenehm (und fast ungewollt) klingen. Doch diesem ersten Schreckmoment folgen zum Glück keine weiteren, sondern ein durchschnittliches Metalcore-Album.

Every Time I Die reihen auf „Radical“ 16 Songs aneinander, die teilweise unterschiedlicher nicht sein könnten – im Großteil aber der selben „Auf die Fresse“-Manier entspringen. Keiner der stilistisch härteren Songs schafft es so wirklich, sich ohne Rückendeckung des Albums zu profilieren, geschweige denn, in Erinnerung zu bleiben. Spaß machen die meisten, das wird sich vor allem live zeigen, aber das macht noch keine starken Songs. Deutlich besser im Kopf bleiben die Songs, die aus dieser teils stumpfen E-Gitarren-Masse ausbrechen, allen voran das halbakustische und melodische Meisterwerk „Thing With Feathers“, das sich sogar an einen gezupften Einstieg traut. Der Text ist hochphilosophisch, so, dass man die Bedeutung, sollte es eine geben, ohne Erklärung nicht wirklich versteht. Stilistisch erinnert der Song, spätestens wenn die E-Gitarre einsetzt, teilweise an System Of A Down - sogar die Stimme von Sänger Keith Buckley geht in Richtung einer sanfteren Version der Stimme von Serj Tankian.

Von dem Einfluss bleibt im weiteren Verlauf des Albums allerdings nicht viel übrig. Melodisch sind noch einige weitere Refrains gestaltet, die dann mit den eher stumpfen Strophen kontrastieren sollen. Allerdings zeigt sich auch hier wieder, dass die melodisch geprägten, sanfteren Tracks deutlich abwechslungsreicher gestaltet sind und auf dieser Platte einfach besser gelungen sind.

„Planet Shit“ ist zwar auch der Kategorie der härteren Songs zuzuordnen, hat aber neben weniger stumpfen Instrumentals, die zudem ein anfallartiges Rumzappeln auslösen könnten, auch noch einen starken antirassistischen Text vorzuweisen. Besonders die Zeile „No future with a racist past“ spricht tief aus dem aktuellen gesellschaftlichen Zeitgeschehen und sorgt für einen frischen Wind auf dem Album.

Fazit

6.8
Wertung

Zwei oder drei wirklich besondere Songs machen leider noch kein sehr gutes, geschweige denn starkes Album. Die eher stumpfe Masse lässt die besagten Songs ein wenig untergehen, was sehr schade ist, wenn sich die Band schon mal an solche besonderen Einschläge gewagt hat. Allerdings kann man bei der Entwicklung nur absolut gespannt sein, in welche Richtung sich die einstige „auf die Fresse“-Band weiterentwickelt und was da noch so kommt.

Jannika Hoberg
7
Wertung

Nach ihrem Album "Low Teens" waren die Erwartungen ziemlich hoch. Mit "Radical" schaffen Every Time I Die nun ein Album, welches sowohl anders als auch ähnlich klingt und versuchen sich neu zu erfinden. Zwar schaffen sie genau das, obwohl sie ihre alte Härte und den wunderbar chaotischen Hardcore-Punk behalten, jedoch klingt die Scheibe eher nach einem Zwischenschritt als einer konsequenten Weiterentwicklung des eigenen Schaffens.

Dave Mante