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Disturbed mit “Evolution”: Evolutionär ist hier leider gar nichts

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Fr, 19.10.2018 - 12:00
18 Jahre nach “The Sickness” sind Disturbed zahmer geworden. Viele der Fans, die schon seit damals dabei sind, haben wahrscheinlich Kinder und mit dem Älterwerden wird man bekanntlich auch oft weiser und milder. Und so lässt sich “Evolution” am besten als „Disturbed light“ beschreiben.

Als sich Disturbed 2015 ausgerechnet mit einer Coverversion von “The Sound Of Silence” zurückmeldeten und sogar im Radio gespielt wurden, war damit zu rechnen, dass die musikalische Entwicklung weiter Richtung Mainstream deuten würde. Dabei hätten es Disturbed gar nicht nötig, sind sie doch immer noch überraschend populär, auch nach fünf Jahren Funkstille.

“Are You Ready”? Ich weiß nicht so genau, meine heiße Disturbed-Fanboy-Phase liegt jetzt auch schon ein paar Jahre zurück, der Song fühlt sich allerdings so an wie vor ca. 14 Jahren. Nur irgendwie glatter und mit weniger Drive als früher. “No More” hat seinen Anfang von “The Beautiful People” geklaut, der Rest von dem Song ist Dad-Metal zum Wäsche bügeln.

“Reason to Fight” ist die erste von fünf(!!!) akustischen Balladen auf “Evolution”. Verständlicherweise will sich die Band variabel zeigen, hier riecht aber alles nach: “Wir brauchen nochmal so was wie ‚Sound Of Silence‘, Leute!”. Die Balladen sind platt, kitschig und ekelhaft catchy, “Watch You Burn” hat zu allem Überfluss auch noch Streicher. Auch die härteren Songs reichen bei weitem nicht an die Großtaten der ersten drei Alben heran. Das typische Staccato-Riffing ist kaum noch vorhanden, Sänger Dave hat seinen abgehackten Sprechgesang wohl auch in Rente geschickt und generell wirkt alles einfach drucklos, poliert und aufgesetzt. Klar, Disturbed waren schon immer modern, fett produziert und vor allem in den USA im Mainstream verankert. Trotzdem hatte die Band immer etwas Eigenes, dieses ist aber irgendwie verloren gegangen.

“Evolution” ist einfach langweilig. Es wirkt wie Fließbandware, wie ein Job, der erledigt werden musste. Auch die Texte sind nicht mehr so authentisch und mitreißend. Klar, lyrische Großtaten gab es noch nie, trotzdem erzeugten Hymnen wie “Ten Thousand Fists” damals noch ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Das generische Coverartwork vervollständigt den Gesamteidruck, das coole Maskottchen ist nirgendwo zu finden, stattdessen gibt es einen langweiligen DNA-Strang. Disturbed sind gerade auf dem Höhepunkt ihres kommerziellen Erfolges und haben karrieretechnisch die nächste Stufe der Evolution erreicht, leider hat sich die Musik eher in Richtung Bürohengstmetal entwickelt. Einzig “Best Ones Lie” fährt nochmal ein paar der alten Trademarks auf, macht dem Hörer aber auch schmerzlich bewusst, dass die musikalisch fetten Jahre wohl vorbei sind.