Die Cigaretten und "Emotional Eater": Probleme

"Emotional Eater" liegt Irgendwo zwischen Indierock, Skatepunk und Grunge. Anstatt sich wirre Phrasen über das angeblich schöne Leben auszudenken, schreien die Cigaretten über problemorientierte Denkweisen und den eigenen Abgrund, in den man sich von Zeit zu Zeit gerne hineinstürzen würde.
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Überall sieht man Probleme. In der eigenen Beziehung zu anderen Menschen, in der Beziehung zu der eigenen Familie oder in der Beziehung zu einem selbst. Mit „Emotional Eater“ vertonen die Cigaretten genau diese Probleme und stellen sich die Frage, warum man immer neue Probleme bekommt, obwohl man die alten noch längst nicht angegangen ist.

Irgendwo zwischen diesen sich immer weiter aufhäufenden Problemen und dem Wunsch, ganz allein zu sein, obwohl man eigentlich nicht gern alleine ist, setzen die Cigaretten immer wieder lebensbejahende Akzente und ziehen sich so zeitweise aus ihrem selbst geschaffenen Sumpf aus dystopischen Gedankengängen, auf welchen sie im nächsten Atemzug wieder zusteuern.

Die simplen Chord-Progressions und die dazu hoch eingestellte Distortion der E-Gitarren verleiht den einzelnen Songs ihren Punk-Charakter. Der Vergleich zum Grunge darf bei den Cigaretten natürlich nicht fehlen. Der Sound der Cigaretten geht schon etwas in Richtung Nirvana, doch dann haben sie es noch geschafft, sich mit einer Kombi aus Surf- und Skatepunk mit einer Prise Indie Rock ihren individuellen Sound zu kreieren. Dazu kommt noch ihr Hang zum experimentellen, was sich vor allem in „Superallein“ zeigt. Dieser leichte, experimentelle Vibe erinnert ein wenig an Die Arbeit, wobei die Cigaretten sich eher dem Indie Charakter zuordnen lassen.

Im Kontrast zum lauten, energetischen Rock stehen die immer wieder auftauchenden ruhigen Phasen, die eben so schnell weg sind, wie sie auftreten.

Die Stimmung in „Danke Mama“ ist zunächst sehr emotional geladen und statt harter Gitarrenklänge wird es leise und bedacht. Daraufhin folgt die Flucht in den Punk, die dem Song seine Spannung wiedergibt.

Der harte Bruch in „Danke Mama“ beweist einmal mehr, dass die Stärke der Cigaretten vor allem in den Übergängen zwischen ruhigen und explosiven Stimmungen liegt.

Der Gedanke, man sei besser aufgehoben, wäre man schlichtweg nicht geboren, zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Mal bewusst und in Form von schmerzerfüllten Schreien und der Feststellung, dass man im Endeffekt allein dasteht. Wohingegen in „Kein Bock mehr mit dir rumzuhängen“ die Last von Beziehungen beschrieben wird, in welchen man durch ziellose Diskussionen nur Zeit und Energie verschwendet.

Mit „Immer ist irgendwas“ vertonen die Cigaretten dieses Gefühl der Machtlosigkeit, wenn nach der erfolgreichen Beseitigung eines Problems direkt wieder fünf neue ins eigene Leben treten.

 

Schon das Intro vom Song "Emotional Eater" versprüht eine Art toxischen Vibe mit Hang zum manisch narzistischen. Die Cigaretten verschlägt es mit dem Track wieder in Richtung Grunge Rock und entfernen sich mehr und mehr vom leichten Surfrock.Mit einem gewissen „ich hasse alles“ Charme erkunden die Cigaretten ihre eigenen Probleme und vertonen sie mit harten Sounds, tanzbaren Parts und einer mitreißenden, dennoch grundlegend emotional negativen, Energie.

Im Song „Emotional Eater“ wird der „Emotional Vampire“ als Synonym für eine toxische Person benutzt, die ihrem Gegenüber die Gefühle aus der Seele saugt, um sich selbst an ihnen zu ergötzen und etwas zu spüren. Denn der „Emotional Vampire“ kann keine eigenen Gefühle produzieren und muss die der Anderen konsumieren, um irgendetwas zu fühlen.

Der Mix aus Punk, Grunge und Indie gibt dem Album seinen vielschichtigen Charakter, mit einem Hauch Nirvana-Vibe, in welchem sich die Cigaretten vollkommen ausleben. Die Band kann sich zeitweise aber auch von ihren tanzbaren Parts mit mitreißender Energie lösen und setzen mit beispielsweise der Klassik-Interlude harte Kontraste im Album.

Insgesamt überzeugt das Album mit elektrisierenden Gedankenausflügen in einen, von Problemen durchfressenen Mensch, der sich und seine Umwelt dadurch in ein tiefes Loch aus Selbstzweifeln, gemischt mit narzisstischen Verhaltensmustern und emotional aufgeladener Emotionslosigkeit.

Fazit

8.1
Wertung

Die Kombination aus Indierock und Surf-, beziehungsweise Skatepunk, mit etwas Nirvana Flavour im Abgang erzeugt die harten Brüche in den Songs, die sie genau deshalb so spannend machen. Insgesamt ist es ein gelungenes, energetisches Album mit einem gewissen depressiven Beigeschmack.

Paula Thode