Deutsche Laichen und ihr selbstbetiteltes Debütalbum: Pöbel-Punk mit Agenda

Das Göttinger Quintett rüttelt mächtig am Ohrfeigenbäumchen. Hier werden musikalische und politische Schellen verteilt. Eine klare Linie und ordentlich Unmut, der jedoch stets mit etwas Ironie und einer Idee, wie es doch auch anders gehen kann, kombiniert wird.
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Deutsche Laichen beginnen ihr Album versöhnlich mit harmonischen, zerlegten Akkorden. Nach einer Minute zerlegen sie dann alles andere. Themen auf ihrer ersten Platte sind Seximus, cis-Macker, Body-shaming, Punkattitüde, Polizeigewalt und Menschenhass. Titel wie „Emanzenlesbenschlampe“, „My Cunt My Business“ und „Menschen=Scheiße“ sprechen da viel für sich und zeugen von unverhohlenem Frei-Schnauze-Punk. Textlich wie musikalisch preschen Deutsche Laichen ungestüm nach vorne. Wohl überlegt, fundiert und ohne verkopft zu sein hat das Göttinger Quintett eine klare Agenda, die über das weitläufige Verständnis von Pöbel-Punk hörbar hinausreicht. Auf deutsch und englisch kriegt hier jeder sein Fett weg.

Viel Raum für Interpretation lassen die Texte auf dem Debütalbum dadurch nicht. Dafür bietet es aber umso mehr Aussagen, Grundhaltungen und Ansichten, mit denen man sich entweder sehr stark identifiziert – oder eher gar nicht. Somit laden die repetitiven Passagen durch Eindrücklichkeit in kürzester Zeit zum Mitgrölen und -keifen ein.
Deutsche Laichen sind die Art von Band, die ihre Konzerte ohne viel Federlesen unterbricht, um die Feindbilder ihrer Texte kurzerhand aus dem Saal zu verweisen. Wen das betrifft, machen sie in unter anderem in „Von Mackern und Pumas“ glasklar. Auch auf ihren Social Media Kanälen positioniert sich die Band deutlich gegen cis-Macker, betont dabei aber auch stets, dass und wieso Mackerhass nicht gleich Männerhass ist. Über „Emanzenlesbenschlampe“ sagt die Band: „In dem Lied geht es um misogyne Zuschreibungen. Wir wollen uns diese Begriffe zurückholen und positiv besetzen!“

Das Debütalbum bietet insgesamt eine flotte Dosis Punkrock, enthält aber so viele spannende und abwechslungsreiche Elemente. Ausgefuchste Bassmelodien, Erinnerungen an Linkin Parks „Bleed It Out“ (in "Warm Bodies"), schnelle Sprechparts und simple, aber effektive Parolen geben sich hier die Saiten in die Hand. Da ist es nur passend, dass das Debütalbum mit „Menschen sind Scheiße, Deutsche Laichen […], Deutschland ist scheiße!“ aufhört.

Fazit

7.4
Wertung

Deutsche Laichen sind nicht nur irgendeine Punkband aus irgendeinem Kaff. Aber selbst wenn sie es wären, hätten sie echt viel wichtiges zu sagen. Und sie sagen es nicht durch die Blume, aber durchaus mit dem Charme einer Bulldogge.  

Merten Mederacke