The Death Set und "How to Tune A Parrot" - Electro, ich hör dich schrammeln

The Death Set aus Brooklyn sind wohl das Ergebnis, wenn man Bands wie Egotronic und Pup kreuzt. Ihr neues Album „How to Tune A Parrot“ ist treibender Noise-Electro-Punk, der nebenbei noch in alle anderen (Punk-)Richtungen springt.
588653.jpg

10 Jahre ist es her, dass The Death Set aus Brooklyn mit ihrem absurd chaotischen Electropunk in der Musikwelt begeistern konnten. Heute wurden aus drei, zwei Musiker, welche allerdings ihre wütende Attitüde keineswegs verloren haben.
Direkt der Opener „Overload Damage“ zeigt den Hörer:innen, in welche Richtung es gehen soll. Ein electro-techno Intro, welches so auch auf Tomorrowland zu hören sein könnte, kreuzt sich mit schrillen Rotzpunk-Lyrics. Die Remixrichtung steigert sich mit „Fall Down“, dem zweiten Track, noch einmal und schlägt mit einem eingängigen Powerrefrain ein. Wäre das Album hier vorbei hätten Menschen vor den Lautsprechern sicher schon eine fantastische Zeit gehabt. Aber das Duo ist noch lange nicht am Ende, sondern sie machen einfach so weiter.

Egal ob reine Punksongs wie „Bad Decisions“ oder sehr elektrolastige Tracks wie „Set for Death“, The Death Set schaffen es durchgehend bei der Stange zu halten und lassen keine Zeit für Langeweile, zu oft sind Kleinigkeiten eingespielt wie ein Theremin oder ein eingängiger Refrain. Sehr oft sitzt man einfach da und ist beeindruckt von der Kreativität, die hier bis ans äußerste gereizt wird.

Mit „Nowhere is here“ wandern sie sogar in den Stadion-Punkrock ab, welchen Bands wie Anti Flag mit ihren letzten drei Alben wieder gängiger gemacht haben. Komplett mit Singalong Passagen, welche man jetzt schon gegrölt hören kann.
Auch wenn man es bei einer reinen Punkplatte nicht unbedingt erwartet, ist selbst die Abwechslung auf dem Album jederzeit gegeben, sodass es schwerfällt, auch nur einen der Songs zu skippen (Sollte bei einer Durchschnittssonglänge von knapp 2 Minuten aber auch schwierig sein). Unterstrichen wird dies noch durch das Feature mit Ho99o9, einem Hip-Hop Duo, welches beim Song „Mad World“ in bester Bodycount Manier auf den aggressiven Beat rappt, welcher dem Song zugrunde liegt.
Dieser Song steht auch sinnbildlich für den politischen Tonus des Albums. The Death Set sprechen sich mit ihren Songs klar gegen Ungerechtigkeit, vor allem im momentanen Status der Gesellschaft aus. Als kurzer Auszug sei ebenfalls „Mad World“ erwähnt, in welchem die Zeile „I have a Voice and I'm using it“ fällt.

000749.jpg

Was lässt sich noch groß dazu sagen?
Das Duo protzt mit Ideen, Härte, Melodie, intelligenten Lyrics, Abwechslung und das alles in knapp 28 Minuten. Hier und da hätten vor allem die Electroparts mehr benutzt werden können, das ist allerdings heulen auf sehr hohem Niveau. Kurzum, wenn ihr Punk auch nur ansatzweise mögt, dann hört dieses Album denn The Death Set hauen mit „How to Tune A Parrot“ mal eben eine der Punk-Platten des Jahres raus.

Fazit

9.4
Wertung

The Death Set machen nach 10 Jahren und vielen persönlichen Problemen zu zweit weiter und das besser denn je. „How to Tune A Parrot“ ist eine der wichtigsten Punk-Erzeugnisse des laufenden und eventuell auch der letzten fünf Jahre. Wenn das nicht in irgendwelchen Toplisten auf den oberen Plätzen landet, dann weiß ich auch nicht mehr weiter!

Dave Mante
8
Wertung

Nach sechs Jahren Musikwissenschaftsstudium und fast genau so langer Tätigkeit als Musikjournalist wird man irgendwann ein absolut unerträglicher Snob, dem durch den Vocoder gejagte Walgesänge mit polyrhythmisch arrangierten Zwölfton-Jazz-Dubstep-Instrumentals noch zu Mainstream wären. Mit mir über Punkrock zu sprechen ist deshalb bisweilen kompliziert. Umso mehr spricht dieser Umstand für "How To Tune A Parrot". Eine Platte, über die ich einfach mal wieder sagen kann: Scheiße, ist das geil!

Jakob Uhlig