Dead Kittens und "I Am Not A Ghost": Schnurrender Genre-Mix

Frischer Wind kommt von toten Katzen. Es klingt schlecht, es klingt gut, es klingt bekannt, es klingt neu, es klingt… einfach anders. Und genau das ist das Großartige daran. Miau Miau, hörst Du mich schreien? Wir hören die Dead Kittens sogar verdammt laut und deutlich!
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Mit ihrem neuen Album „I A Not A Ghost“ beweisen die Dead Kittens ihr musikalisches Können, indem sie sich an so ziemlich jedem Genre bedienen. Beim ersten Höreindruck ergibt sich eine seltsame Mixtur aus den Beatles, System Of A Down, Massive Attack, Heisskalt und Primus. Die Band lässt keinen Song gleich klingen. Der Opener „When Will The Sun Die“ beginnt mit menschengemachtem Katzen-Gejaule, bewegt sich dann hin zur leidenden Frage und schließlich zu 70s angehauchtem Funk-Pop. Vermutlich sind dann die Katzen glücklich, dass sie dann ihr nachtaktives Leben so richtig genießen können. 

Im Anschluss bringt Ihr Song „A Subtle Form Of Torture“ keineswegs Folter ins Ohr, sondern erzeugt mit treibendem Schlagzeug und eingängiger Bassline eine schon fast manische Atmosphäre. Ein Muss für jeden Moshpit-Liebhaber.

„Quit Quitting“ erinnert mit der Bassline an Primus, wobei die Band keinen wirklichen Höhepunkt komponiert hat. Vermutlich als Hommage an den Titel wird der Bass artig durchgespielt, während der Sänger die Message „Shut up, don’t talk to me. Quit Quitting or fuck off!“ ins Ohr der Hörerschaft schreit. Augen zu und unbedingt mittanzen, so kann man sich nur vom Hören der Platte ein Dead-Kittens-Konzert vorstellen. Anders klingende und doch schöne Melodien, sphärische Atmosphäre, Muskel gegen Muskel und pure Ekstase.

So kann man ihren Song (und die Band als solche) sehr gut beschreiben. „Things I Heard Or Thought At One Point In My Life“ ist einer dieser Genre-vermischenden Songs. Synthesizer, die nach Robotergesängen klingen, Schreie, punklastige Rhythmus-Sektion, der erzählende Gesang, der an Heisskalt erinnert und Trommeln, die an Michael Bays Kinotrailer erinnern. Man möchte losstürmen, um Teil der Pogoparty sein, zeitgleich der Musik lauschen und sich wie ein Baum in einer sanften Brise bewegen.

Der Titeltrack „I Am Not A Ghost“ enttäuscht auch keineswegs. Der Song erinnert ein wenig an Brit-Pop und die damit verbundene Deutlichkeit der „Ist mir doch egal“-Attitüde. Spätestens jetzt sind alle am rumspringen. „I just live in this life while I don’t have a clue. But I am not a ghost“. Mit diesen Lyrics und dem abrupten Stopp am Ende des Songs beschreibt die Band vermutlich am besten, wie sich die 2000er Generation fühlt. Austoben und nicht wirklich wissen, was man eigentlich tut - ähnlich wie bei Punkrock-Konzerten. Spaß macht es dafür umso mehr.

Fazit

9
Wertung

Wenn man ein Genre für dieses Album bestimmen sollte, würde vermutlich Punkrock am nächsten kommen. Dead Kittens stechen auf jeden Fall aus der breiten Masse heraus. Live vermutlich ein paradiesisches Buffet für Augen und Ohren und unbedingt weiterzuempfehlen, wenn man mal genug vom ewig gleichklingendem Radio-Schwachsinn hat. Die Katzen mögen es sein, aber die Gitarre (oder vielmehr der Bass) ist nicht tot, der Punk ist nicht tot, die geile Mucke ist nicht tot - unter anderem wegen dieser Band! Anders sein ist gut.

Jan-Severin Irsch