Danko Jones und „A Rock Supreme“: Das Baumhaus der Szene

Naiv wäre die Erwartungshaltung, einen brückenschlagenden Allrounder zu erhalten, wenn Danko Jones ihren neuesten Zuwachs vorführen. Dennoch drängt sich die Frage auf, ob die kommenden Schandtaten einen disruptiven Effekt auf die müde Hard-Rock-Szene auslösen können oder ob man brav den altbekannten Pfaden folgt.
Danko Jones A Rock Supreme Cover

In diesem Kontext ist der ewige Kindheitstraum von Baumhäusern ein geeignetes Gleichnis. Ihre emotionale Aufladung begeistert nunmehr Generationen von Heranwachsenden in der westlichen Welt. Bei allen potentiellen Abenteuern stehen sie vor Allem für einen heimeligen Rückzugsort, fernab von den Stürmen der Außenwelt. Sie scheinen Wind und Wetter zu trotzen, ohne sich dabei jemals verändern zu müssen. „A Rock Supreme“ ist eine ebenso sichere Bank für Zeiten, in denen der Hip-Hop die Hitparaden in eiserner Hand hält und in denen ehemalige Wegbereiter allmählich ihre Hüte ziehen. Konstanz schlägt hier jede Verjüngungskur.

Es erscheint nur logisch, dass man die altbewährten Rezepturen aufwärmt und munter durcheinanderwürfelt. Dass Recycling auch seine Vorzüge haben kann, zeigen Songs wie „You Can´t Keep Us Down“, „Fist Up High“ oder „Lipstick City“. Speziell Letztgenannter wartet mit drückenden Bässen, einprägsamen Hooklines und einem Energie-Overload auf. Hier spiegelt sich die wahre Rock´n´Roll-Experience wider und nicht in überteuerten Tickets für das Exklusivcamping auf Deutschlands größtem Musikfestival in der Eifel (nichts für ungut). Leichte Erneuerungstendenzen versprüht das spielerische „Dance, Dance, Dance“. Trotz lyrischer Plattitüden und dem semi-gelungenen Videoclip macht der Track durchaus Lust auf mehr. Und das Beste daran: Der Trenchcoat kommt so schnell nicht wieder zum Stillstand! Was andernorts liebevoll Doubletime genannt und für außerordentliches Talent gehalten wird, machte Kollege Presley schon im vergangenen Jahrhundert mühelos vor. In dessen Fußstapfen trällert nun „Party“ vor sich hin. Treibend, tanzbar, catchy. „You Got Today“ trägt noch in Motörhead-Manier zu einem grundsoliden Gesamteindruck bei, ehe man sich der ein oder anderen Peinlichkeit hingibt.

„We´re Crazy“ ist zum einen Teil nichtssagend, zum anderen Teil latent nervenbelastend. Stotter-Anfälle sind kein probates Mittel zur Selbstbeweihräucherung, so viel steht fest. „Burn In Hell“ eignet sich daraufhin prima für eine Partie Bingo: Wie viele abgehalfterte Phrasen kann ich auf einer Songlänge unterbringen? Machte man daraus ein Trinkspiel, so würde dies keinen guten Ausgang nehmen. Gibt es nicht wichtigere Themen, als zum hundertsten Mal die eigene Härte unter Beweis stellen zu müssen? „I´m In A Band“ (starkes Solo) oder „That Girl“ (beherzter Umgang mit dem Vier-Saiter) können derartige Ausrutscher letztlich auffangen. Der Unmut ist nicht von Dauer.

„A Rock Supreme“ ist ein in sich homogenes Gesamtwerk, welches stromlinienförmig durchläuft. Abgesehen von den genannten Ausrutschern kann man sich kaum an etwas reiben. Keine Balladen, keine brutalen Nackenschläge, keine angehenden Klassiker der Bandgeschichte. Eine nette Abwechslung in der Bandhistorie, mehr aber auch nicht. Für einen Rückzug in das Baumhaus des Rock´n´Roll reicht es.

Fazit

5.4
Wertung

Die Liveshows werden weiter energiegeladen und schweißtreibend sein - der vorliegende Longplayer hingegen vermag den Puls nur unwesentlich in Wallung zu bringen. Für die Existenzberechtigung des Hard Rock liefert „A Rock Supreme“ nur spärlich Argumente.

Marco Kampe