Counterparts und „Nothing Left To Love“: Schmerz und Antrieb

Auf „Nothing Left To Love“ werden Körper und Psyche des Frontmannes Brendan Murphy zur metaphorischen Leinwand und der Pinsel wird durch ein scharfes Messer ersetzt. Muss Schmerz immer lähmen?
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Wie ein guter Wein reift die kanadische Band aus Ontario von Jahr zu Jahr und von Album zu Album. Auch auf ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum hören wir den schonungslosen Melodic Hardcore der letzten Jahre. Doch schafft Counterparts, was viele aktuelle Bands nicht schaffen: Sich weiterzuentwickeln, ohne sich zu verändern. Was erstmal wie ein Gegensatz klingen mag bedeutet lediglich, dass die Kanadier sich in Sachen Sound und Härte treu bleiben. Doch das neueste Release hebt sich dennoch von der bisherigen Musik ab. Die Produktion wirkt deutlich erwachsener und voller. Gleichzeitig nachdenklich ohne jemals unzugänglich zu werden. Das Album weiß genau, was es sein will und was nicht. Keine überzogenen Gitarrensoli und keine ausufernden Streicher-Arrangements sind zu finden. Das Wesentliche steht hier im Vordergrund. Denn „Nothing Left To Love“ ist vor allem eines: Ehrlich. Sänger Brendan Murphy legt erbarmungslos seine Gefühle offen. Und so ehrlich wie der Schmerz, den man spüren muss, wenn ein Dolch durch eine Hand fährt, so ehrlich wirken die Lyrics.

„We both bleed / But out of separate wounds / Not meant to mend / A different breed of broken / Pulling the cure out of the suffering themselves / We are two different breeds of broken.“

Immer wieder scheint es so, dass Murphy eine Katharsis durchläuft und seinen Schmerz bündelt, um aus etwas Destruktiven etwas Neues und Konstruktives zu schaffen. Die Lyrik wird dabei wunderbar durch die kompakte Instrumental-Arbeit unterstützt. Eine klare Single, ein Song, der besonders heraussticht oder von dem man noch Tage lang einen Ohrwurm hat, lässt sich derweil schwer ausmachen. Was unter Umständen als Kritik aufgegriffen werden kann, bedeutet aber auch, dass „Nothing Left To Love“ durchgehend empfehlenswert ist. Natürlich wird das Rad hier nicht neu erfunden, aber das ist gewiss auch nicht der Anspruch der Band. Auch wenn kein besonders abwechslungsreiches Stil-Repertoire gezeigt wird, sind alte Counterparts-Fans sicherlich vom neuen Release angetan und Leute, die bisher noch nichts von der Band gehört haben, können hier überzeugt werden.

Fazit

7
Wertung

Die Hand gilt häufig als ausführendes Körperteil für Kreativität. Doch obwohl die Hand des Albumcovers durchbohrt ist, scheint der Schmerz nicht zu hindern, sondern setzt neue Schöpferkraft für Counterparts frei.

Niels Baumgarten
6.2
Wertung

Die Vocals erinnern mich ganz stark an Haste The Day, welche zweifellos Helden meiner Jugend waren. Der Track "Nothing Left To Love" könnte sogar glatt von ihnen sein. Da Haste The Day seit 2011 bis auf ein Projekt weg vom Fenster sind, kann ich mich mit Counterparts im Jahre 2019 super arrangieren. "Nothing Left To Love" bringt bei mir den im Lokschuppen langsam vor sich hin modernen Melodic-Hardcore-Train wieder auf die Gleise!

Mark Schneider

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