Cold Years und „Paradise“: Packendes Paradies mit Potenzial!

Cold Years aus Aberdeen in Schottland kreieren mit ihrem Debütalbum „Paradise“ eine (British-)Rockplatte, deren Wurzeln in Vorbildern des Punks fest verwachsen sind. Was sich auf „Paradise“ die Energie aus diesen Wurzeln zieht, hat definitiv großes Potenzial.
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Es tut sich wieder etwas in der Musiklandschaft auf der Insel jenseits des Ärmelkanals. Auch wenn Cold Years bereits einige EPs veröffentlicht haben, schlägt im Jahr 2020 die Zeit für das erste richtige Album der Band von der schottischen Ostküste. Vor sechs Jahren wuchs die Idee im Kopf des Sängers Ross Gordon, selbst aufgewachsen mit Vorbildern wie Green Day und Rancid, eine Band zu gründen. Indem er seinem Gitarristen Finlay Urquhart und dem Drummer Fraser Allan erzählte, der jeweils andere hätte ihm bereits zugesagt, findet das Grundgerüst der Truppe in einer feuchtfröhlichen Kneipennacht zusammen. Bassist Louis Craighead vervollständigte Cold Years, die Weichen für musikalischen Output waren gestellt.

„31“ war eigentlich als letzter Track auf „Paradise“ geplant, steht als Opener aber nicht nur mindestens genauso gut da, sondern bringt der mit der Band unvertrauten Hörerschaft die musikalische Vielfalt im Klangbild der Schotten als perfektes Beispiel näher. Die ersten Sounds des Albums gehören einer Akustikgitarre und Sänger Ross, der in weniger als einer Minute verdeutlicht, was seine Stimme kann. Auch wenn die Musik an dieser Stelle noch keine Energie liefert, kompensiert Ross diese mit seinem Gesang. Textlich sind diese Zeilen von Euphorie und Verzweiflung geprägt, von der Hochzeit seiner Schwester und der gleichzeitigen Ernüchterung über das bisher selbst erreichte. Nach etwas mehr als einer Minute schlägt der Song um, wird von verzerrten Instrumenten übernommen, die das Album ab dieser Sekunde in die Hand nehmen, und zieht die Hörerschaft zusammen mit der Plattennadel auf dem Teller immer weiter ins „Paradise“ rein.

Wer sich bereits in der ersten Minute in Ross‘ Stimme und die harmonischen Klänge der Band verliebt hat, wartet bis zu den letzten Akkorden darauf, dass Cold Years wieder vier Gänge zurückschalten. „Hunter“ ist als komplett ruhige Nummer sogar der bessere Schlusspunkt des Albums als „31“ und gehört diesmal ausnahmslos dem Sänger und der Akustikgitarre. „Hunter“ schließt den Kreis zwischen den ersten und den letzten Akkorden, zwischen denen die Schotten elf Titel ins Vinyl prägen, die vor Melodien, Kreativität und Energie nur so strotzen. Eine angenehme und gleichzeitig kraftvolle Gesangsstimme mit markanter Akzentuierung schüttet in dieser energischen Umgebung nicht nur ihr Herz über Trauer und Frustration bei sich selbst und über die britische Situation aus, sondern gibt der Band gleichzeitig ein Erkennungszeichen, welches den Spagat zwischen Stadion und Radio sehr gut vorstellbar macht.

Fazit

7.2
Wertung

Es würde mich wundern, wenn Cold Years in den kommenden Jahren keine weiteren Schritte in die große Bekanntheit machen würden. Zu groß ist die Qualität und der Wiedererkennungswert von Ross Gordons Stimme und dem musikalischen Output von ihm und seinen Bandkollegen. Unter dem Strich mehr als solider, gitarrenlastiger British-Rock!

Mark Schneider