As Cities Burn und „Scream Through The Walls“: Spiegel einer Bandgeschichte

As Cities Burn wissen auf ihrem neuen Album nicht so richtig, was sie eigentlich wollen. Nach diversen Auflösungen und Reunions ist „Scream Through The Walls“ das erste Album seit zehn Jahren. In ihrer Musik wirkt die Band um die beiden Bonnette-Brüder genauso unkonstant wie ihr bisheriger Werdegang.

Aus der ursprünglichen Besetzung der Indie-Band As Cities Burn aus Lousiana sind nur die beiden Brüder T.J. und Cody Bonnette übrig, obwohl auch T.J. sich zwischenzeitlich ausgeklinkt hatte. Die Band ist quasi ein Familienprojekt, die übrigen Mitglieder kommen und gehen, seit sich die Gruppe im Jahr 2002 gegründet hat. Bereits im Jahr 2006 gab man das Ende von As Cities Burn bekannt, rappelte sich dann aber auch ohne Gründungsmitglied T.J. noch einmal auf. Im Jahr 2009 war es dann endgültig soweit und die Gruppe löste sich immerhin für zwei Jahre komplett auf. 2016 folgte das gleiche Spiel, auch wenn dieses Mal nur für etwa ein Jahr Pause war. Anscheinend wird man sich in Louisiana nicht wirklich einig.

Was aber tut das alles für die Musik von As Cities Burn im Jahr 2019 zur Sache? Die Geschichte der Band dient gewissermaßen als Spiegel für das nun nach zehn Jahren ohne Veröffentlichung erscheinende neue Album „Scream Through The Walls“. Die beiden Brüder teilen sich den Gesang, sodass abwechselnd geschrien und gesungen wird, manche Zeilen werden lediglich gesprochen. Das klingt an einigen Stellen zum Beispiel ein bisschen nach Emil Bulls, was an sich kein schlechtes Vorzeichen ist. Musikalisch packt die Band aber vieles an, ohne in ihrem Sound den klassischen roten Faden zu finden. Das hat zur Folge, dass es die klassischen Höhen und Tiefen innerhalb des Albums gibt und kein konstant hohes Niveau herrscht.

„Scream Through The Walls“ beinhaltet richtig gute Songs, diese halten sich nur leider in ihrer Anzahl ziemlich in Grenzen. „Maybe“ ist einer von ihnen. Recht ruhig gehalten, tragen die schlagzeuglastigen Verse die Hörerschaft geradewegs auf die Refrains zu. Nach verzweifelt klingenden, geschrienen, einleitenden Worten folgt am Ende jeder Strophe der melodische Refrain über das unfreiwillige geboren werden und die Freude darüber, es im Leben so weit gebracht zu haben. Spätestens im vorletzten Refrain, anfangs nur mit Gitarre unterlegt, kann und will man diesen Mitsingen. In „Maybe“ zeigt sich die Band von einer Seite, die sie im Verlauf von „Scream Through The Walls“ viel zu selten zum Vorschein bringt. Bei „Bright White Light“ blitzt das Potential der Truppe noch einmal auf. Der Titel schlägt härtere Töne an und lebt vom gebrülltem Gesang und einer gewissen Aggression. Auch „Chains“ lädt zum Mitwippen ein.

Abwechslung kann oft gut sein, neue Ideen können frischen Wind in die Musik einer Band bringen. Leider verfehlt beides hier seinen Zweck. Beim Hören von „Scream Through The Walls“ findet man sich in fast keine Melodie so richtig hinein, bevor der nächste Track bereits läuft und alles über den Haufen wirft. Mit den elektronischen Experimenten in „Blind Spot“ setzt man sich bei As Cities Burn vollends in die Nesseln.

Fazit

3.5
Wertung

Für mich bleibt nur „Maybe“ erwähnenswert und wirklich hängen, der Rest des Albums verweigert mir den Zutritt in seine Welt. Es fehlt an Hymnen und Melodien, die ich mir noch einmal anhören will. Vielleicht hatte man hier in zehn Jahren einfach zu viel Zeit an der Platte zu arbeiten. Zwei bis drei passable Songs reichen mir nicht...

Mark Schneider