Caskets und „Lost Souls“: Neuer Name, „alter Sound“

Caskets haben ihre Startschwierigkeiten hinter sich gelassen und bringen nun mit „Lost Souls“ ihr erstes Album heraus, welches ganz nebenbei noch eines der rundesten (Metalcore-)Alben des Jahres ist.
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Caskets haben es wirklich nicht leicht. Gerade einmal drei Jahre und eine EP als Band zusammen und schon einen Rechtsstreit und daraus folgender Namensänderung hinter sich. Die Jungs aus UK gründeten sich nämlich 2018 unter dem Namen Captives, 2019 folgten ihre Debut EP „Ghost Like You“ und Support-Touren mit Crystal Lake und Hands Like Houses (u. a.). Im März 2021 dann jedoch der Umschwung, die australische Band Captives sicherte sich kurzerhand die Namensrechte im Vereinigten Königreich und die Band war gezwungen, ihren Namen zu ändern. So wurden Caskets (neu-)geboren. Nun steht mit „Lost Souls“ ihr erstes Album bereit.

Sofort werfen uns Caskets mit ihrem fünfminütigen Introtrack „The Only Ones“ in ihren Mischmasch Sound aus brettharten Riffs und den melodisch gefühlslastigen Vocals von Matthew Flood. Dabei wechseln die Riffs schlagartig von hart zu melancholisch und fließen von dort in einen Breakdown über. Was direkt bemerkenswert und für das Genre recht ungewöhnlich ist, die Band kommt ohne markante Screams, Growls oder Ähnlichem des Core-Setzkastens aus. Hier und da wird der Cleangesang ans äußerste gepusht, geht jedoch nie weiter, nicht mal in den klar erhörbaren Breakdowns. Das ist ungewöhnlich, jedoch unerwartet befriedigend und frisch. Diese Art des Melodic-Metalcores wird nicht langweilig, zumindest nicht auf dieser Platte. Im Gegenteil, Caskets laufen mit einigen Songs zu technischen Hochtouren auf. Die Singleauskopplung „Lost in Echoes“ zum Beispiel ist nicht nur unglaublich eingängig und pompös, sondern protzt nur so mit verschiedenen Ideen, welche zu einem Song zusammengewürfelt werden. Die Härte von Wage War trifft hier auf das Melodische von Bands wie The Plot in You oder We Came as Romans.

Neben diesen Bombast-Songs sind auch einige ruhige Lieder auf dem Album gelandet, hierbei sticht der Song „Hopes & Dreams“ sehr heraus, welcher mit gänsehauterregender Schwermut um sich wirft und damit komplett vom Album abhebt. Leider zeigt sich bei den ruhigeren Teilen der Scheibe, dass es vor allem die harten Parts sind, welche das Album qualitativ anheben. Als Beispiel ziehe ich einmal „Hold Me Now“ heran. In den ruhigen Momenten ist er sehr austauschbar, wechselt dann aber zum „normalen“ Caskets-Sound und verwandelt sich so in einen harten Song, nur um dann wieder in seine gediegene Strophe überzugehen. Das hört sich recht normal an, vor allem für das Genre des Metalcores, jedoch wirkt es beim Hören etwas fehlplatziert. Und dieses Motiv zieht sich durch die gesamte Platte. In den harten Parts des Albums bekommt man Riffs der Extraklasse, sehr emotionalen und wundervollen Gesang und so einige brettharte Breakdowns, in den ruhigen Abschnitten vermisst man diese etwas, da sie sich vom ikonischen Sound entfernen. Dabei sind sie nicht schlecht, im Gegenteil, sie sind qualitativ auf einer Ebene, mit dem Rest jedoch fügen sie sich sehr in den Melodic-Metalcore Einheitsbrei ein. Neben dem bereits beschriebenen „Hold Me Now“ ist auch „Drowned in Emotion“ ein weiteres Beispiel genau dafür. Einige ruhige Parts zwischen den Refrains, welche sich anfühlen wie ein kurzer Tagtraum, irgendwie da aber durch die Breakdown Riffs schnell wieder unterbrochen und egal. Das ist sehr schade und verwehrt dem Album den Weg in die sehr hohen Wertungen.

Generell lässt sich sagen, dass Caskets mit „Lost Souls“ eine Art Einstiegsblaupause für Melodic-Metalcore liefern. Einige großartige Songs wie „The Only Ones“, „Lost in Echoes“ und „Hopes and Dreams“ gepaart mit Tracks, die super sind, jedoch im Vergleich in den Hintergrund fallen. Was Caskets aber von den anderen Bands des Genres unterscheidet, ist das Ausbleiben der reingepressten harten Vocals. Klingt ungewöhnlich, ist jedoch befriedigend unbenutzt und hört sich dazu noch phänomenal an.

Fazit

7.6
Wertung

Caskets lassen sich nicht durch ihre Startschwierigkeiten beirren und liefern eine Metalcoreplatte der Extraklasse ab. Folgen dabei aber leider zu sehr der Genre-Linie und bringen ihre hervorragenden Ansätze nicht immer zu einem ebenso großartigen Abschluss.

Dave Mante
9
Wertung

Hochemotional und dabei trotzdem laute, energetische Riffs. Caskets haben mit ihren Singles und als „Captives“ schon begeistert, das Album ist eine Meisterleistung.

Jannika Hoberg