BRKN auf „Einzimmervilla“ zwischen Soul-Rap und Mittelschicht

Als Rap kann man die Musik vom Berliner kaum noch bezeichnen. Stattdessen hat der Soul und Pop ganz klar das Album übernommen, aber auch die Einheitlichkeit.
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Als Begleiter von Alligatoah hat sich BRKN schon einen Namen machen können. Auf „Einzimmervilla“ macht er musikalisch weiter, wo er bei der vorherigen Platte aufgehört hat. Man hört schnell raus, dass die Texte viel Bezug auf alltägliche Lebenssituationen haben. Es wirkt aber nicht gerade kritisch. Der Soul-Sound nimmt der Kritik den Wind aus den Segeln. Bei „Irgendwann“ dreht es sich zum Beispiel darum, dass man sein Leben verpasst, da man alles verschiebt. Nach den etwas mehr als dreieinhalb Minuten hat nach hundertfacher Wiederholung jeder verstanden, dass das Lied „Irgendwann“ heißt. Die Platte lebt nicht wirklich. Man kann es sich durchaus mal anhören, wenn man wirklich Lust drauf hat. Der Klang der Musik ist aber sehr schleppend.

Das Album hat seinen Grundgedanken in Freiheit. Die Vielzahl an musikalischen Einflüssen ist dahin gehend auch eine Bereicherung. Nur leider fasst einen der Sound einfach nicht. Die Gefühlslage der meisten Songs ist einfach gleich. Es klingt vieles ähnlich. Eine frenetische Explosion aller aufgeladenen Emotionen ist leider wirklich nicht zu bemerken. Die besten Songs vom Album sind aber wirklich die Songs, die etwas mehr Energie intus haben. „Eine Millionen“ ist an und für sich auch eine klassische Soul-Nummer. Durch den leichten Rap-Einfluss ist aber doch eine gewisse Schnelligkeit vorhanden. Die Instrumente geben einen wunderbaren Flow und auch BRKN nutzt hier urschmalzige Wörter wie „fresh“, um den Song noch eine Ironie zu geben.

 

Die ruhigen und melancholischen Songs kann man dem türkischstammigen Berliner aber kaum abkaufen. Bei „Jagd“ zum Beispiel hat man viel Jugendschmerz im Text. Es wird aber durch die verspielte Musik runter gebrochen. Es könnte im Prinzip jeder Text drauf gesetzt werden, am Ende steht das Instrumentale irgendwie im Vordergrund. Das Album hat aber nicht diese entspannte Art, die man erst einmal erwartet. Fast jedes Lied ist sehr verspielt. Darunter ist auch „Atemmaske“. Der Track hätte eigentlich sehr viel Power, wenn die Instrumente nicht so sehr runter gedreht worden wären. Das Album geht in das Album rein, aber auch gleich wieder raus. Ohrwürmer gibt es sicher eher selten.  

Fazit

5.8
Wertung

BRKN schafft es, ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus zu kommen. "Einzimmervilla" hat so eine kurze Lebensdauer. Wenn es läuft, dann läuft es halt. Es ist aber kein Album, bei dem ich jetzt sagen würde: "Boar, darauf hab ich gerade richtig Bock!" Ein Tonträger, den man sich nicht kaufen muss, aber bei dem man mal reinhören könnte. 

Ole Lange