Born Ruffians und "Uncle, Duke & The Chief": Vergessene Schönheit

Vorwärts immer, rückwärts nimmer? Born Ruffians machen das Gegenteil und ziehen ihre Frische aus der Retrospektive.
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Eine schnelle Internetrecherche eröffnet auch dem Unwissenden nach kurzer Zeit, dass die Born Ruffians aus Kanada kommen, zu viert sind und mit „Uncle, Duke & The Chief“ bereits ihr fünftes Studioalbum veröffentlichen. Über dessen zeitliche Herkunft wundert man sich dann aber doch, denn der Stil der Band erinnert mit seinen minimalistischen Arrangements und sorglosen Kompositionen an alte 70er-Pop-Ikonen wie David Bowie. Das führt dazu, dass das Album gleichzeitig herrlich eingängig und stellenweise tanzbar ist, ohne dabei jemals überladen zu wirken. „Fade To Black“ erweckt mit seiner unschuldig scheppernden Gitarre und coolen Clap-Beats Rock’n’Roll-Charakter, bewahrt sich dabei aber Klasse. „Spread So Thin“ funktioniert als melancholische Pop-Ballade mit Synthie-Verzierungen auf ganz subtile Art und Weise gut, und „Love Too Soon“ stellt mit seiner unvergleichlich schönen Melodie, der dezenten Orgel-Untermalung und der anmutigen Akkord-Progression ein absolutes Highlight der Platte dar.

Um den heutigen Zeitgeist zu begeistern fehlt „Uncle, Duke & Chief“ mit Sicherheit die Muskelkraft, doch gerade dadurch entwickelt die Platte ihren gegenwärtig recht einzigartigen Reiz. Das fünfte Album der Kanadier sucht nicht nach Hymnen und funktioniert so auch am besten als Gesamtkunstwerk, das einen generös in seinen Kosmos einschließt. Dadurch kommt die Platte nahezu komplett ohne „Wow“-Momente aus, und doch ergeben sich gerade aus diesem Grund im Resultat wohlige Chills. Neu machen die Born Ruffians mit Sicherheit nichts. Aber genau das macht sie so gut.

Fazit

7.3
Wertung

"Uncle, Duke & The Chief" ist kein Album, das einen von der ersten Sekunde an umhaut. Stattdessen arbeitet der Zauber der Born Ruffians wesentlich subtiler und funktioniert ohne große Worte. Und das ist wahnsinnig schön.

Jakob Uhlig