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Body Count und "Bloodlust" - das politische Statement, das die Welt heute braucht

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Mo, 10.04.2017 - 00:29
1992 veränderten Body Count mit ihrem Debütalbum die Musikwelt und versuchten gleichzeitig, eine politische Revolution herbeizuführen. 2017 hat ihr Sound eine ganze Generation geprägt – aber die soziale Kälte der Gesellschaft hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der 8. November 2016 war für die ganze Welt ein einschneidender Tag. Mit Donald Trump wurde ein Mann zum US-Präsidenten gewählt, der in seiner Person Hass, Ausgrenzung und Gewalt propagiert. Es scheint wie die Rückkehr zu den früheren Wurzeln eines Landes, das davor gerade zum ersten Mal einen Schwarzen an seine Spitze brachte. Die Musikwelt reagierte auf dieses Ereignis mit riesiger Resonanz und überwiegendem Protest. Zahlreiche Anti-Trump-Songs und Compilations entstanden, Protestaufrufe und politische Statements einer Masse an Künstlern waren Teil eines schon lange nicht mehr so dagewesenen Widerstands.

Nun rückt auch Ice-T mit Body Count wieder vor. Seit ihrem skandalträchtigen Debüt der frühen Neunziger-Jahre hatte sich die Band in ihren Texten mit Themen wie Rassismus, Polizeigewalt und sozialen Ungleichheiten auseinandergesetzt. Dass die Crossover-Veteranen 25 Jahre später auf ihrem neuen Album „Bloodlust“ immer noch über dieselben Themen propagieren muss, ist dabei ein trauriges Zeugnis unserer heutigen Zeit. Tatsächlich wirkt auch die Musik der Platte extrem verbittert. Noch nie war der Sound von Body Count so düster, die Riffs so thrashig, die Wut und Gewalt der Band so erschlagend. Auch der typische Humor ist nun vollends den ernsten Themen gewichen. Songs wie „Voodoo“ oder das irrsinnig komische Suicidal Tendencies-Cover des Vorgängers „Manslaughter“ fehlen.

Stattdessen präsentiert sich Rapper Ice-T in Hochform. Seine Monologe sprechen klar und deutlich die tiefsten zwischenmenschlichen Probleme unserer Gesellschaft an. Das in einem Schwall von Pistolenschüssen und panisch-kreischenden Gitarrenriffs pulsierende „Black Hoodie“ stellt auf dramatische Weise die grundlose Hinrichtung eines Afroamerikaners durch gewalttätige Polizisten dar. Der Titelsong „Bloodlust“ keift verächtlich über die animalisch-blutrünstige Veranlagung des Menschen. Und die bewegende Kampfansage „No Lives Matter“ zeigt schonungslos die Intoleranz der Gesellschaft. All das verpackt die Band in einen Mix aus wütendem Rap, harten Metalriffs und einer großen Portion Leidenschaft.

Nachdem Body Count mit „Murder 4 Hire“ 2006 schon fast am Boden waren, kehren sie auf „Bloodlust“ in ungeahnter Stärke zurück. Die 13 Songs des Albums schlagen so hart und direkt ein wie noch nie, und lyrisch ist die Band so relevant wie sie es seit ihrem Debüt nicht mehr war. Innovativ ist das heute alles zwar nicht mehr unbedingt, ein ausgefuchstes Songwriting haben Body Count aber auch gar nicht nötig. Die Botschaften der Platte bilden hier die Essenz. Und die sind unglaublich wichtig – so traurig das auch ist.