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Black Peaks und „All That Divides“: Düstere Zeiten erfordern düstere Alben

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Mo, 08.10.2018 - 10:20
Seit März ließen Black Peaks ihre Fans warten. Ihre erste Single in den Kosmos geblasen, hat es noch über ein halbes Jahr gedauert, bis das dazugehörige Album „All That Divides“ das Licht der Welt erblickt. Doch das Warten hat sich gelohnt.

Mit „Can't Sleep“ könnten Black Peaks gar nicht perfekter in ihre Sophomore-Platte einsteigen. Thematisch und musikalisch bereitet der Track die Hörerschaft recht präzise auf das vor, was ihnen bevorsteht. Es geht um die Zerrissenheit und Depression der Gesellschaft und der Politik und letzten Endes um die daraus resultierende Resignation. Der Soundtrack für deinen Untergang quasi. Musikalisch ist das alles sehr nah an System Of A Down, doch die gestreuten Shouts zeugen von einer anderen Macht, die das Quartett antreibt.
Die Nähe zu den Alternative-Legenden kann man nicht abstreiten, will man aber auch gar nicht. Der Stil trägt so sehr den Stempel von den Black Peaks, dass man nur wollen kann, dass sie genau damit weiter machen. Der düstere Sound, mit dem eigentlich viel zu klaren Gesang, schweift ab und zu in die Dissonanz ab, wird immer wieder durch vereinzelt geshoutete Lines unterbrochen und wirkt am Ende doch hervorragend aufeinander abgestimmt.
„The Midnight Sun“ passt auf den ersten Blick nicht ganz ins Bild und klingt ein wenig wie eine der früheren EPs von Karnivool. Die Gitarren sind druckvoller und verzerrter, alles wirkt tatsächlich noch düsterer und resignierter. Doch gerade an dieser Stelle, wo das Album noch an Fahrt aufnimmt und sich der Stil noch nicht vollständig gefestigt hat, passt auch „The Midnight Sun“ sehr gut in die Tracklist.

„Electric Fires“ macht sogar Platz für Humor auf „All That Divides“. Was absurd klingt, ist nicht weniger, als eine fantastische Song-Idee. Der Track dreht sich um Verschwörungstheorien und nimmt sich dem Thema auf zynische Weise an. Doch der Sound bleibt bedrückend wie schon zu Beginn, sodass man schlichtweg nicht weiß, ob man lachen oder weinen sollte.

Mit dem nachfolgenden „Aether“ wird klar: es sollte geweint werden. Das klingt nach musikgewordener Herbstdepression. Der Track wechselt in ein deutlich ruhigeres Fahrwasser und behält die Stimmung bei, die, wie schon alles zuvor, düster und bedrückend bleibt. Bei dieser Nummer vollführen die Briten das Wunder, einen Song von über sechseinhalb Minuten aufzunehmen, doch durch seine vielseitige Dynamik kommt es einem nicht so lang vor.

Ein ähnliches Kunststück offenbart sich in „Across the Great Divide“. Dieser Song dauert zwar nur fünfeinhalb Minuten, jedoch ist das Ende schlichtweg der Wahnsinn. Über eine Minute lang wird der Song mit ruhiger Musik ausgefadet und geht übergangslos in „Home“ über. Mit „Aether“ schlägt das Album langsam einen anderen Pfad ein. Hat es mit „Can't Sleep“ eher in der Hard- oder Stoner-Rock Richtung angefangen, entwickelt es sich in der zweiten Hälfte eher zu Progressive-Rock. Auch in „Home“ hat man das Gefühl, dass die anfängliche Härte vollends gewichen ist, allerdings stellt der Titel die Symbiose aus den beiden Stil-Richtungen so intensiv und konsequent dar, dass ein schlichtweg unglaublicher Song entsteht.

All das runden Black Peaks mit „Fate I & II“ nochmals ab: wieder über sechseinhalb Minuten, wieder Prog und Stoner, wie schon in „Home“, nur diesmal ziemlich strikt getrennt. Daher ist die Andeutung, dass dieser Song in zwei Parts aufgeteilt ist, mehr als zutreffend und bildet einen absolut würdigen Abschluss.

 

Nach einem passablen Debüt sind Black Peaks mit ihrer Sophomore-Platte förmlich explodiert. Dieses Album hat Platz für zwei Genres und verknüpft sie wahnsinnig stark miteinander. Das stellt die Band vor ein Problem: Können sie sich darüber hinaus nochmal steigern?