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Black Label Society und „Grimmest Hits“: Ain't no Ozzy after all

So, 14.01.2018 - 15:40
„Hilfe, mich verfolgt der Geist von Ozzy Osbourne!“ Damit dürften die meisten Werke der Black Label Society um Frontmann Zakk Wylde bestens umschrieben sein. Wie könnte es auch anders sein, schließlich war Wylde seit seinem 19. Lebensjahr als Mitglied in Osbournes Solo-Band vertreten. Seit es nun die Black Label Society gibt, klingt alles ein wenig nach Ozzy. „Grimmest Hits“ versucht damit zu brechen. Mit eher überschaubarem Erfolg, aber immerhin - mit Erfolg.

Doppeljubiläum! 2018 bingt die Black Label Society nicht nur ihr 10. Studioalbum heraus, die Band wird auch noch 20 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum soll dann wohl endlich der Ozzy-Sound zugunsten eigener Elemente verringert werden. Dass das schwierig werden würde zeigt sich schon bei Zakk Wylde selbst, schließlich ist seine Gesangstechnik der von Osbourne sehr ähnlich. Gleich der Opener „Trampled Down Below“, macht die härtere Gangart deutlich, die den Unterschied machen soll. Stringente Riffs, Härte statt Dynamik in den Drums und ein stark verzerrtes Solo. Ganz einfach schnörkelloser Heavy Metal, wie ihn schon dessen „Godfather“ einst selbst gelehrt hatte.

Auch die erste Singleauskopplung „Room For Nightmare“ versucht sich in einem Härteren Duktus und erhöht dazu das Tempo, das Ergebnis ist allerdings wieder das selbe Spiel: Ozzy, nur in schneller und lauter. Das Witzige an der ganzen Geschichte ist, dass Zakk Wylde 2009 die Ozzy-Osbourne-Band verlassen musste, da dieser sagte, dass sich Osbourne „zu sehr nach Black Label Society anhörte.“ Erwischt.

Allerdings spielt „Grimmest Hits“ auch die eigentlich größte Stärke der Band aus. Die liegt nämlich nicht im Metal, sondern im Southern Rock, wenn nicht sogar im Blues. So performt die Black Label Society wahnsinnig entspannte Nummern wie „The Day That Heaven Had Gone Away“. Unglaublich melancholisch und ruhig, ohne sich an die leiseren Stücke von Osbourne wie „Dreamer“ auch nur heranzutrauen. Vielleicht kann man etwas Guns'n'Roses heraushören, aber das ist dann wohl eine andere Baustelle. Auch die Länge von über sechs Minuten kommt einem viel kürzer vor, da keine Strophe, kein Solo, keine Bridge und kein Refrain auch nur ein kleines bisschen zu lang oder zu kurz wären - kurzum eine verdammt gute Bluesnummer. Auch der Closer „Nothing Left To Say“ Besticht nicht durch ein infernalisches Gewitter aus verzerrten E-Gitarren und Drums, sondern durch grooviges Zusammenspiel von akustischer und elektronischer Gitarre. Und dann ist das Album auch schon vorbei. Ein Southern Rock Meisterwerk, ganz im Stile von Lynyrd Skynyrd, aber lassen wir das einfach.

„Grimmest Hits“ liefert Metal von der Stange und wärmt die alten Kamellen von Ozzy Osbourne auf. Tja, und dann sind da noch „The Day That Heaven Had Gone Away“ und „Nothing Left To Say“. Das eine eine Blues-Offenbarung, die die raue Stimme von Zakk Wylde nie dagewesen in Szene setzt und wieder mal zeigt, was er für ein fantastischer Gitarrist ist. Und das andere eine Southern-Rock-Sensation, die Hoffnung macht, dass sich die Band vielleicht umorientiert und weiter in diese Richtung geht.