The Black Dahlia Murder und "Nightbringers": Mordsmäßig guter Death Metal

The Black Dahlia Murder haben sich seit 2001 eine große Fangemeinde erspielt und stets mit qualitativ gutem (Melodic) Death Metal überzeugt. Nun bringen sie mit „Nightbringers“ erneut Dunkelheit auf die heimische Anlage.
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Die ersten Töne von „Nightbringers“ sind ruhig und bedrohlich. Das Intro von „Widowmaker“ erinnert ein wenig an die Stimmung von Filmen wie „Alien“ und macht schnell klar, dass es hier nichts zu lachen geben wird. Nach ein paar Sekunden bricht dann die Nacht über das Album herein und die Blast Beats hämmern dem Zuhörer die Gehörgänge zu Brei. Ein Song über den Tod, augenscheinlich aus der Sicht eines Scharfschützengewehrs (im englischsprachigen Raum auch gern Widowmaker (Witwenmacher) genannt), ist wohl kein Stoff für gute Laune. So, alle wach? Dann kann es ja losgehen!

Von da an bleibt das Album hart und unerbittlich. Die Musiker strapazieren und malträtieren ihre Instrumente bis ans Limit und auch der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib. Textlich gibt es die gewohnte Kost aus der Höllenküche der Band. Tod, Verderben, Mord und persönliche Momente, versteckt unter Pathos und Wut, finden sich in den Lyrics wieder. Death Metal ist nicht gerade bekannt für gut verständliche Texte und auch hier ist ein Booklet oder eine Lyrics-Page ratsam, um die Worte zu verstehen.Perlen wie „Jars“, einen Song über einen Mörder der seine Einmachgläser voller Leichenteile besingt, blieben einem sonst verwehrt. Ob man dies nun als Ausflug in die kranke Psyche eines Killers versteht oder aber einfach geschmacklos findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Death Metal war ja noch nie für sein Einfühlungsvermögen bekannt. Auch die anderen Texte sind nichts für sanfte Gemüter und passen sehr gut zur Musik.

Musikalisch gibt es hier alles, was das (Death-)Metalherz begehrt. Blast Beats, harte Riffs, ausgefeilte Melodien, extravagante Soli und eine unsagbare Spielgeschwindigkeit lassen dieses Album technisch sehr gut dastehen. Die Abmischung ist sauber und gut gelungen, sodass auch bei allem Lärm und Krach, kein Soundbrei entsteht. Die Spuren sind sauber getrennt und gut aufeinander abgestimmt. Das Songwriting muss sich nicht verstecken und die Band hat nachvollziehbare und, dem Genre gemäße, eingängige Melodien geschaffen. In Kombination mit den Texten, Kleinigkeiten wie dem Intro oder einem kurzen Akustikausflug im letzten Song und der Stimme des Sängers, hat man hier ein gutes Album vor sich.

Auch die Vocals sind einwandfrei. Trevor schreit, growlt, grunzt, kreischt und krächzt auf hohem Niveau. Sanfte Töne oder gar Gesang findet man hier nicht, das würde aber auch eher verwirren und in all dem Lärm untergehen. Und wenn dann bei „The Lonely Deceased“ kurzzeitig der Lärm stoppt, nur eine Akustikgitarre zu hören ist und Trevor schmerzvoll schreit, schafft das Album auch noch Gänsehautatmosphäre.

Death Metal spaltet die Gemüter - so wie fast alle Metal-Richtungen. Wer nicht auf harte, brutale und exzessive Töne steht, braucht sich „Nightbringers“ wohl gar nicht erst anhören. Alle anderen bekommen ein durchdachtes und heftiges Album mit Einladung zum Headbangen oder wenigstens zum Fußwippen auf der Couch. Das Genre wurde hier nicht völlig neu erfunden, aber „Nightbringers“ stellt einen sehr guten Vertreter dar. Wer die Vorgängeralben mochte, wird auch hier seine Freude haben. Allen anderen sei ein Reinhören ans Herz gelegt.

Fazit

7.2
Wertung

Death Metal war nie mein Genre und wird es wohl auch nie vollends werden. Dennoch hatte ich mit „Nightbringers“ eine Mordsgaudi.

Johannes Kley