Big John Bates und “Skinners Cage”: Keeping it weird

Irgendwo zwischen Neo-Folk, Country und Tim Burton hat sich Big John Bates mit seinem Noirchestra eingenistet und zelebriert auf “Skinners Cage” fremdartige und verdrehte Musik.
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Beim ersten Hören Gänsehaut zu bekommen, ist besonders, aber “All the Devils” beschwört diese gerade zu. Ein Noir-Country Song, der mit seinem Mantra-Refrain und einem Theremin das Album schaurig schön eröffnet. Vor dem inneren Auge tanzen schon die Skelette und über allem thront der Zeremonienmeister Big John Bates. Im Refrain murmeln Stimmen, getrieben von einem tranceartige Schlagzeugbeat, die Beschwörungsformel vor sich hin, die die Sonne verfinstert und dunkle Gestalten aus ihren Verschlägen hervorlockt.

Ein frühes Highlight auf “Skinners Cage” ist “Tragedia”: bedrohliche Streicher gehen in einen primitiven Blues über und man wartet eigentlich nur noch darauf, dass Tom Waits um die Ecke kommt und das Ganze vertont. Der Refrain ist die musikalische Ankündigung eines aufziehenden Unheils, einer nicht näher beschriebenen Tragödie, welche von Streichern und Sänger Big John zusammen angekündigt wird.

Musikalisch finden sich viele Elemente aus Country und Blues wieder, allerdings wirkt alles irgendwie morbide und düster aber auf eine unbekümmerte Art. Diese Unbekümmertheit lässt dabei immer wieder auf eine unterliegende Finsternis blicken, die stetig für bedrückende Stimmungen sorgt. “Halcyon” ist der wohl melancholischste Song auf “Skinners Cage” und lässt die Hörerschaft zum ersten Mal hinter die grauschwarze Noir-Fassade blicken. Er hat einen kathartischen Charakter, den die Band im folgenden “Dead Moon Night” noch einmal konsequent auslebt. Ein sehr straighter Rocksong, der durch die im Refrain auftauchende Geige und dem später genutzten Theremin aber die bekannten Elemente immer wieder auftauchen lässt und sich doch nicht ganz von dem Country-Noir Sound der ersten Songs losreißen will.

Von vielen der Songs auf “Skinners Cage” geht eine hypnotische Wirkung aus, die primitiven Rhythmen, gepaart mit den Chant-Gesängen von Sängerin Brandy ziehen unwiderstehlich immer weiter in Richtung Hasenhöhle. Die Musik wirkt erstmal fremd, vor allem aufgrund der Instrumentierung und der Grundstimmung des Albums, trotzdem ist man immer gespannt was als Nächstes passiert.

Fazit

7.6
Wertung

“Skinners Cage” hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die abgefahrene Instrumentierung, die traditionellen, aufs Simpelste runtergebrochenen Blues und Country Elemente, eingebettet in graue düstere Geschichten, die perfekt zu den Filmen von Tim Burton passen würden. Für mich eine großartige Entdeckung!

Jonas Mönter
6.9
Wertung

Ambitionierter Langspieler, der Brückenköpfe in teils meilenweit auseinanderliegende, musikalische Territorien schlägt. Ein durchaus schlagfertiges Konstrukt.

Marco Kampe