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Bad Religion und „Age Of Unreason“: Monotonie für nebenher

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Mo, 06.05.2019 - 11:33
Die Geschichte von Bad Religion reicht bis ins Jahr 1979 zurück. Die Punks aus Los Angeles veröffentlichen mit „Age Of Unreason“ ihr sage und schreibe 17. Studioalbum. Wie viel Potential die Band immer noch hat, blitzt aber leider zwischen glattgebügeltem, unspektakulärem Ami-Punk zu selten auf.

„Age Of Unreason“ kommt leider nicht darüber hinaus, ein Album für nebenbei zu sein. Ein Album, welches man perfekt hören kann, während man das Auto sauber macht, mit den junggebliebenen Schwiegereltern einen Roadtrip unternimmt oder in Ruhe eine Runde Gaming betreiben will. Es ist aber kein Album, welches einen dazu bringt, wild im Raum umherzuspringen und die Texte mitzubrüllen, während man kurz davor ist, die Luftgitarre auf dem Wohnzimmerboden zu zerschlagen. Wer diese Bilder gerade vor seinem geistigen Auge mit sich selbst in der Hauptrolle sieht, wird mit der Band Bad Religion im Jahr 2019 leider nicht glücklich werden. Aber muss das unbedingt schlecht sein?

Teilweise. Zweifellos, wer auf der Suche nach Musik für die genannten Situationen ist, die man einfach mal so laufen lassen kann, findet mit „Age Of Unreason“ ein grundsolides Punkwerk, welches in seiner Entwicklung aber nun mal irgendwie an die Dänen Volbeat erinnert. Man erkennt zwar mit Sänger Greg und seiner für den Punkrock typischen Stimme einen alten Bekannten wieder, aber irgendetwas fehlt da. Da hilft auch kein nachträgliches drehen und zwirbeln an allerlei Reglern der Anlage. Die Musik klingt zwar irgendwie gewohnt, aber ihr fehlt die Wucht, der Druck, die Energie.

Natürlich erwartet von Musikern, die geradewegs auf das 60. Lebensjahr zusteuern, niemand explosive Bühnenshows und ein Brett nach dem nächsten. Den einen oder anderen Ausritt aus einer irgendwie so an einem vorbei dudelnden Tracklist hätte es aber durchaus geben dürfen. Das gelingt Bad Religion zum Beispiel mit einem schnelleren Titel wie „Do The Paranoid Style“ oder dem nur einminütigem „Faces Of Grief“, der vom Konstrukt auch im Metal funktionieren würde.

Die Amerikaner sind immer dann am besten, wenn sie sich aus ihren klassischen Mustern lösen. Sie machen das zum einen in Richtung schnellerer Titel, zum anderen aber auch in Richtung Ballade. Hier ruht die vielleicht größte Stärke des Albums. „Lose Your Head“ und „Candidate“ sind wirklich schöne Songs. Ruhiger, langsamer als der Rest der Platte, und dadurch besonders. Vor allem aber sind sie anders. Anders als das Große und Ganze der Platte.