Antiheld und "Keine Legenden": Durchwachsener Pathos

Antiheld würden durchaus stimmungsvollen Stadionrock schaffen – wenn sie sich bei einem Element nicht deutlich verzettelt hätten.
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Mit „Berlin am Meer“ und „Ein Bisschen große Liebe“ begrüßen uns Sänger Luca Opifanti und der Rest der Band mit rauchiger Stimme und fröhlich lockerer Musik. Doch mit jedem Lied wird die Stimmung ernster und die Texte tiefgründiger. Dies steigert sich in 11 Songs und endet mit dem namensgebenden „Keine Legenden“, ein Song, der perfekt für ein Feuerzeug-Lichtermeer auf einem Live-Auftritt geeignet ist.

Generell ist das Album aufgebaut wie ein gutes Konzert. Zu Beginn ein paar Lieder, zu denen man gut abgehen und mitsingen kann. Zur Hälfte hin werden die Songs ruhiger, um mal wieder runter kommen zu können. Um jedoch nicht gelangweilt zu sein, werden die ruhigeren Parts immer wieder durch schnellere Intervalle unterbrochen, wie etwa beim Track „Mein letzter Fehler“. Und zum Schluss tritt dann noch ein wenig Sentimentalität ein – Musik, zu der man seine Freunde zum Schunkeln packen kann. Wenn man sich die Bandgeschichte anschaut, wundert es kaum, dass das Album an ein Konzert erinnert. Denn Antiheld haben sich 2006 zusammengefunden und konnten seitdem die Größe ihrer Bühnen zunehmend steigern. 2014 gewannen die Jungs dem landesweiten Play-Live Wettbewerb und gaben ihr Debüt auf dem Southside Festival. Nach elf Jahren Bühnenerfahrung kommt jetzt ihr erstes Album.

Aber auch schon davor hatten Antiheld mehrere Songs veröffentlicht und konnten ihre eigenen Werke in die Welt tragen. Die Jungs wissen einfach wie man gute Laune verbreiten kann und die Stimme von Luca ist in Kombination mit der unbeschwerten Musik schon etwas Besonderes. Auf der anderen Seite können Antiheld auch sehr emotional und musikalisch stark sein, wie man an älteren Songs wie „Sonnenkind“ merken konnte.

Doch genau das fehlt auf ihrem ersten Album. Die etwas dominantere E-Gitarre wurde gegen ein Akkordeon getauscht. Auf der einen Seite ist das mal was anderes, und Antiheld gewinnen so ein Alleinstellungsmerkmal. Aber auf der anderen Seite kann ich das Album nicht an einem Stück genießen, weil ich eine Pause brauche. Das Akkordeon kann ich mir einfach nicht so lange anhören und ohne wäre das Album meiner Meinung nach ein Stück weit empfehlenswerter. Denn die Platte hat Potential. Die Texte und Melodien haben einen hohen Ohrwurmfaktor und können die Menschen schnell einfangen, um sie auf die Tanzfläche zu entführen.

Fazit

4.8
Wertung

Ohne das Akkordeon gäbe es von mir 6,5 Punkte. Aber da ich alle Tatsachen bewerten muss, gibt es 4,8 Punkte. Die Lieder gehen schnell ins Ohr, sind jedoch ein wenig anstrengend.

Karina Kloos
0.5
Wertung

Bei Platten wie diesen wünschte ich, ich würde mich in meinem Leben doch einem BWL-Studium oder so widmen und müsste niemals in Kontakt mit so etwas Grausamem kommen. Wie schmalzig, kitschig und kacke kann eine Band eigentlich sein? Für dieses Kind aus Santiano und Nickelback habe ich einen ganz heißen Tipp: Bitte löst euch auf.

Jakob Uhlig
2.8
Wertung

Ach Jungs, was macht ihr denn da! Ich hab euch schon Live bei ZSK gesehen und da hat es mir eigentlich streckenweise Spaß gemacht und eure Straßen-Mucke ist auch sympatisch. Wie kommt denn am Ende so etwas weichgespültes, belangloses raus? 

Lucio Waßill