Amyl And The Sniffers und "Comfort To Me": Welcome To Simplicity

Auch wenn uns die Kombination Australien, Punkrock und Frontfrau bekannt vorkommt, sind es ausnahmsweise nicht Press Club, die in wahnsinniger Geschwindigkeit ihre nächste Platte veröffentlichen. "Comfort To Me" von Amyl And The Sniffers ist es genauso wert, beide Ohren geliehen zu bekommen.
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Was auf dem oben dargestellten Cover zugegebenermaßen wirklich verwirrend aussieht, kommt klanglich gänzlich anders aus den Boxen. Das, was uns hier entgegenschallt, ist das zweite Studioalbum einer Band namens Amyl And The Sniffers. Die Gruppe ist ansässig in Melbourne in Australien, besteht aus Frontfrau Amy Taylor, Gitarrist Declan Martens, Bassist Fergus Romer sowie Schlagzeuger Bryce Wilson und spielt wunderschön unkomplizierte Melodien. Der Stil der Gruppe ist dem der im Teaser genannten Vergleichsband Press Club zwar vom Prinzip her ähnlich, weiß sich aber auch klar eigen zu definieren. Beide Bands sind laut, beide Bands mögen es schnell und beide Bands dominieren ihre Musik durch die weibliche Power in den Vocals. Unter dem Strich wirken Press Club aber deutlich rauer, positiv behaftet unkontrollierter und schwieriger vorherzusehen. Amyl And The Sniffers hingegen kommen, ihr Coverartwork außer Acht gelassen, sortierter und geordneter daher. Es klingt, als lege man hier mehr Wert darauf, die ausgewählten Inhalte klar und deutlich verständlich an die Frau und den Mann zu bringen. Und von diesen Inhalten gibt es mehr als genug zu entdecken.

 

Die von Amy in Tonspuren verewigten Texte wirken rebellisch, frech und unangepasst. Kraftausdrücke tauchen sowohl in Titeln als auch Textzeilen wiederkehrend auf. Wie präsentieren AATS aber ihren ersten Eindruck denjenigen, die sich dazu entscheiden, "Comfort To Me" zu streamen oder in physischer Form ein- oder aufzulegen? Die Platte startet mit dem Titel "Guided By Angels" und einem Rhythmus aus Drums und Bass, der sich nach wenigen Takten von einzelnen Gitarrennoten ergänzen lässt. Nach etwa 20 Sekunden steigt Amy dann zum ersten Mal ins Geschehen ein und es verdeutlicht sich innerhalb der nächsten Takte bereits, wofür diese Band steht. Es stellt sich somit früh heraus, dass Amyl And The Sniffers nicht etwa darauf hinaus sind, komplexe und ellenlange Hymnen zu komponieren, die an Raffinesse nicht zu überbieten sein sollen. Im Gegenteil: Die Musik bleibt unkompliziert und wird dadurch umso greifbarer. Die Hörerschaft kann sich voll und ganz auf das Wesentliche einlassen: Den Texten zu lauschen, die Amy zwar aggressiv, aber gut verständlich transportiert. Wer weniger Zeit zum Denken braucht, hat bekanntlich mehr Zeit zum Tanzen. Es ist ein Bild, was hervorragend zur trotzdem nach Garagensound klingenden Musik des Quartetts passt: Kleine Bühne, eine unzählbare Anzahl an feiernden und grölenden Menschen davor, Stagedive, Ekstase. Hier darf man gut und gerne einen Vergleich mit den Ramones in Betracht ziehen, welche bekanntermaßen durch einfachste Ideen und Abläufe bereits vor über 40 Jahren zu faszinieren wussten. Amyl And The Sniffers machen sich dieses Prinzip - mit Erfolg - ebenfalls zu eigen.

Anspieltipp der Platte: "Security". Hier heißt es wiederholt und an den Security-Dienst gewandt: "I'm not looking for trouble, I'm looking for love!". Dies ist nur eines von vielen Statements, welche es wert sind, sie sich für den Alltag durch den Kopf gehen zu lassen.

Fazit

7
Wertung

Dieses Album beinhaltet 35 Minuten unkomplizierte und wunderschön einfache, handgemachte Musik. Wer in der Lage ist, sich einfache UND gute Musik auszudenken, macht auch ohne doppelt zelebriertes Gitarrensolo alles richtig. Ein Sound, der für die Bühne gemacht ist. Jetzt schon auf meiner Konzert-To-Do-Liste notiert!

Mark Schneider
7.1
Wertung

Amyl and the Sniffers bleiben auf die gute Art unentspannt. Mit scheinbar unerschöpflicher Energie pöbeln sich die Garage Punks durch die 13 Songs. Dabei machen sie vieles richtig, wenig neu und extrem Lust darauf, den Vokuhila zu schütteln.

Steffen Schindler