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ZSK und „Hallo Hoffnung“: Nostalgie statt Zukunftsvision

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Mo, 23.07.2018 - 17:31
Ein vielversprechender Albumtitel von einer nach wie vor vielversprechenden Band. Doch ob „Hallo Hoffnung“ das jugendliche Rebellenherz höher schlagen lässt, ist ungewiss.

Fünf Jahre sind verstrichen, seit dem ZSK den „Hallo Hoffnung“ Vorgänger „Herz für die Sache“ veröffentlichten. Das ist ungewöhnlich lange, ja, sogar sehr lange. Besonders für ZSK, die zwischen 2004 und 2007 unter anderem vier Alben und eine EP veröffentlichten.
Irgendwie hat sich das Warten gelohnt. Irgendwie macht sich die fortgeschrittene Zeit aber auch deutlich bemerkbar.


Wirklich positiv ist, dass „Hallo Hoffnung“ stark produziert wurde und durch und durch fett klingt. Diesbezüglich kann dieses Album locker flockig mit den besseren Rise Against Alben mithalten.
Denn ZSK melden mit „Hallo Hoffnung“ ordentlich Rambazamba an. Der Opener beginnt mit ordentlich Tempo und Geschrei, bevor er sich stellvertretend für die Platte im intensiv gesungenen Refrain entlädt. Das ist auch schon der erste der vielen knackigen ZSK-Momente, die „Hallo Hoffnung“ bereithält. „Es müsste immer Musik da sein“ ist außerdem auch das nahezu perfekt vertonte Cover der Platte.

Ohne ein Blatt vor dem Mund oder Brett vor dem Kopf übt Texter Joshi viel Gesellschaftskritik in gewohnter Direktheit. Wie scheiße Mauern, Nazis, der Umgang mit Menschen in Not, fehlende Solidarität und penetrantes Wegschauen sind, macht er mehr als deutlich. Auch der quasi obligatorische englischsprachige Song ist vertreten. Der schnelllebige Sprachenmix in „Make Racists Afraid Again“ macht einiges her und geht ins Ohr, gleicht der Chorus doch einem grandiosen Schlachtruf für die nächste Anti-Deppen-Demo.
Was beim Hören von „Hallo Hoffnung“ aber wirklich auffällt, ist, dass Sänger Joshi nebst der notwendigen Rundumschlag-Kritik viel Text und Herz darauf verwendet, zurückzublicken, nostalgisch zu sein und alte Zeiten, Freunde und verflossene Liebe zu besingen. Den Höhepunkt findet dieses Gefühl wohl in der Zeile „Es wird Zeit, dass es bleibt, wie es war“ aus der ersten Single „Es wird Zeit“. Dabei suggeriert der Albumtitel das Gegenteil. Den entschlossenen Blick nach vorne, keine Angst und trotzdem weiter, egal, ob die Mauern der Festung Europa weiter wachsen oder das idyllische Utopia von „Mein Staat ist kein Staat“ in noch weitere Ferne rückt. Doch das Politische kommt auf „Hallo Hoffnung“ auf keinen Fall zu kurz. Langjährige Freundschaft ist schließlich auch kein völlig neues Thema bei ZSK. Doch lassen wirklich viele Verse auf „Hallo Hoffnung“ eher innehalten und zurückblicken, auf was war, als auf das, was noch kommt. Selbst der Titeltrack selbst zieht den Vergleich zu früher: Denn früher war die Hoffnung ja gerne hier.

Ein massiver Ausreißer nach unten ist jedoch „Die besten Lieder“. Ein simpler, musikalisch unterirdischer Spaßpunksong über Alkoholkonsum, der, wenn er denn ironisch gemeint ist, nicht das nötige Maß an Ironie aufweist, um Missverständnisse auszuschließen. Die Nummer wirkt wie ein Micky Krause Cover und auf diesem Album echt reichlich deplatziert.

Der Closer „Wellen brechen“ hingegen erinnert an die emotionalen ZSK Akustikwutausbrüche wie „Und genau da trennen sich unsere Wege“ oder „Und trotzdem weiter“. Der Song ist ein Nachruf, an all jene, die den Song wohl nicht mehr zu Ohren bekommen werden. Dafür wird man das finale „Ohohoho“ live wohl umso lauter schallen hören. Ein poliertes, emotionales Finale einer unterm Strich recht aufgebrachten Platte.