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Weezer und "Pacific Daydream": Musikalische Bankrotterklärung

Sa, 04.11.2017 - 15:04
Ein jeder kennt so eine Band. Man kennt den Namen, aber nur ein Lied, welches aber verdammt gut ist. Somit hat man die Band immer positiv im Kopf. So ging es mir auch mit Weezer und „Buddy Holly“ vom legendären blauen Album. Herrlich. Als nun das neue Album „Pacific Daydream“ Einzug hielt, war die Freude entsprechend groß - leider nur kurz.

„Beach Boys“ ist einer der ersten Ableger der neuen Platte. Gute Werbung war dieser Track allerdings nicht. Ein eigentlich recht lässiger Indie-Sound lässt den Kopf leicht im Takt wippen, aber mit Einsatz des Gesangs verlässt einen das gute Gefühl, der passt einfach nicht, die falsche Stimme am falschen Platz. Die eingebauten Dissonanzen sind komplett fehl am Platz und ermüden einfach nur zutiefst. Da kann Sänger Rivers Cuomo noch so viel zeigen wie hoch er singen kann, der Track besticht mit seiner Langeweile und nur damit.

In „Feels Like Summer“ versucht sich die Band an einer Art Rap-Song. Dieses Experiment geht eher nach hinten los. Einen Rhythmus im Sprechgesang eine Minute lang halten können und die eigene Stimme mit einem Effekt belegen reicht einfach nicht aus. Das Ganze dann mit einem inhaltsschwachen Feelgood-Text zu produzieren, wirkt einfach nur wie der plumpe Versuch, sich bei einem neuen und vor allem jüngeren Publikum anzubiedern.

Das direkt nachfolgende „Happy Hour“ klingt wiederum, als wollte man an „Feels Like Summer“ etwas feilen, um den Sound zu verbessern, allerdings ohne jeglichen Erfolg. Der Beat wurde um eine konstante Bassline erweitert, im Hintergrund hört man dieses ominöse Geräusch, bekannt aus gefühlt mindestens jedem zweiten Popsong, der seit 2016 erschienen ist. Es klingt, als würde man auf Michael McDonald einschlagen. Was „Feels Like Summer“ noch duldsam macht, verspielt „Happy Hour“ komplett. Wenn Weezer doch wenigstens gute Popmusik machen würden, aber nein, „Happy Hour“ versucht den kleinsten Gemeinsamen Nenner zu bedienen und nicht mal das macht es gut.

„Pacific Daydream“ ist aber nicht durch und durch schlecht. „QB Blitz“ mag vom musikalischen etwas klingen wie ein Weihnachtslied, nichtdestotrotz aber ein schönes Weihnachtslied. Und textlich haben es die Jungs aus dem Tal der Belanglosigkeiten geschafft. Ein Nerd, der auf der Suche nach Liebe ist, dabei aber vollständig in seinem Duktus bleibt. Wundervoll zynischer Text, dafür standen Weezer mal, zumindest vor zwanzig Jahren.

Einen textlichen Totalausfall liefert der Closer „Any Friends Of Diane's“. Eine Sammlung von „romantischen“ Popfloskeln, gesammelt in einem unsäglich furchtbaren Konstrukt. Das ist alles so derart plakativ, dass es schon satirisch sein könnte, leider ist es das nicht, sondern komplett ernst gemeint. Eine inhaltliche Bankrotterklärung. Auch wenn man an alte Weezer-Titel gewöhnt ist, und sich die Werke der letzten Jahre anhört, ist „Pacific Daydream“ der absolute Tiefpunkt. Der Punkt ist in dem Fall auch nicht, dass sie Pop oder Rap machen. Der Punkt ist, dass sie es schlecht machen - und zwar leider richtig schlecht.