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Vant und "Talk Like Thunder": Abschied in Ekstase

Di, 14.11.2017 - 18:27
Mit „Talk Like Thunder“ kündigen Vant gleichzeitig auch eine Pause auf unbestimmte Zeit an. Wie unglaublich schade das ist.

Es gibt sie tatsächlich noch, diese Indie-Sensationen direkt aus der Brutstätte des vereinigten Königreichs, die ihrem Hype tatsächlich gerecht werden können. Die momentane Gier nach cooler, grooviger und schmuck bluesiger Gitarren-Musik in Großbritannien kommt dank Größen wie den Arctic Monkeys nicht von ungefähr, Beispiele wie etwa die maßlos überschätzten The Hunna zeigen aber auch, wie viel B-Ware solch ein Trend zwangsläufig mit sich bringt. Zum Glück sind Vant anders. Mit ihrem Debütalbum „Dumb Blood“ bewies die Band ein gewaltiges Melodieverständnis, das zu einigen der größten Ohrwürmer des Jahres 2017 führte. Gleichzeitig versteckte die Band diese aber nicht hinter zuckersüßen Hipster-Produktionen, sondern wüten mit herrlich dreckig mit fuzzigem Garage-Punk durch ihre Songs und reden äußerst klug über politische und gesellschaftliche Probleme.

„Talk Like Thunder“ leitet für die Band nun einen undefinierten Habitus ein, der möglicherweise sogar den endgültigen Abschied von Vant bedeuten könnte. Wie bitter das ist, beweist die EP dabei umso deutlicher. Gerade die letzten beiden der sechs Tracks zeugen eindrucksvoll von den großen Stärken dieser Band: „Jump“ entpuppt sich mit seinem simplen, aber wirkungsvollen Refrain als einer der besten Tanz-Songs von 2017, ohne dabei billig zu wirken und driftet am Ende gar in einen fast schon bluesigen Groove. „Beetlebum“ funktioniert hingegen wesentlich smoother, leitet mit stark hallenden Akkorden zunächst psychedelisches Flair ein, mündet zum Finale aber schließlich in eine melancholische Hymne, die im Kontext schon viel zu schmerzlich nach Abschied klingt. Zwar muss man anerkennen, dass die restlichen Tracks an diese klaren Highlights nicht heranreichen können, trotzdem beweisen Vant auf ihrem mutmaßlichen Requiem mit starkem Songwriting und viel Spielfreude durchgängig, was noch aus ihnen hätte werden können. Somit fällt der letzte Ton von „Talk Like Thunder“ umso schwerer. Bleibt nur zu hoffen, dass die Band das ähnlich sieht.