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Turbowolf und "The Free Life": Geruht wird morgen

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Mo, 05.03.2018 - 22:21
Verstärker auf Anschlag, Riffs galant umherwirbeln, Rock’n’Roll modernisieren – Turbowolfs Verständnis eines „freien Lebens“ beinhaltet wohl möglichst intelligenten Krach.

Sonderlich vielversprechend wirkt das Gesamtpaket Turbowolf nicht gerade, der Bandname ist schließlich ebenso fragwürdig wie das grässliche Albumcover. Zum Glück klingt der essentiellste Kern von „The Free Life“, nämlich der musikalische, nicht ebenso altbacken. Im Gegenteil, auf ihrem dritten Werk entfesseln die Briten ihren althergebrachten Sound sogar mit noch einem Stück mehr Nervenkitzel. Wirklich neue Elemente bietet die Platte dabei auch außerhalb des Band-eigenen Kosmos‘ nicht, aber eben solche, die man vielleicht eine Spur zu lange vermisst hat. Turbowolf zelebrieren in ihren Songs ein ungestümes Rock-Revival, das herrlich fuzzige Stoner-Gitarren in ein noch wesentlich Hard-Rockigeres Gewand wirft, Rock’n’Roll-Einlagen nicht scheut, in seiner Riff-Arbeit nicht eindimensional bleibt und nicht einmal Synthesizer-Akzente auslässt.

Tatsächlich klingen viele der neuen Turbowolf-Songs stellenweise nach einer retrospektiven Variante der britischen Alternative-Sensation Royal Blood. Von ungefähr kommt dieser Vergleich mit Sicherheit nicht, immerhin steht Mike Kerr in „Domino“ höchstselbst mit am Mikrofon, und scheuen müssen Turbowolf sich davor auch nicht, denn einige Elemente von „The Free Life“ funktionieren mitunter sogar besser als auf einem „How Did We Get So Dark?“. Den groovigen Mid-Tempo-Blues in Songs wie „Very Bad“ beherrscht das Quartett zum Beispiel wesentlich sicherer, zumal es ihm auch noch gelingt, diesen in eine rasante Linkskurve zu steuern. Auch die etwas klassischeren Rock’n’Roller wie „Blackhole“ liegen Turbowolf sehr gut, und „Halfsecret“ schraubt die grimmig-rohe Rotz-Attitüde des Albums für eine kurze Zeit runter, um Platz für eine manische Synthie-Orgel zu machen, die der Band erstaunlich gut steht.

„The Free Life“ ist ein variables Kunstwerk, das aus seinen Vorbildern keinen Hehl macht, aber genug Eigenständigkeit und Kreativität entwickelt, um das nicht zum Problem, sondern zur Tugend zu machen. Und so heftig diese Interpretation der Interpretation der Freiheit sich auch anfühlen mag, so ehrlich ist sie doch gleichzeitig.