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Success Factors und „XTRA“: Lieber schlecht kopiert als gut selber gemacht

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Sa, 12.05.2018 - 12:38
Vaporwave ist kompliziert, sei es für den Musiker oder für den Hörer. Auch wenn sich manche Stücke sehr einfach anhören, sind es viele Schichten und Kleinigkeiten, welche die Songs zum Genuss machen. Success Factors beweist leider, dass diese Kunst nicht jedem liegt.

Wenn man auf großen Downloadportalen ein Album kaufen möchte, hat man meist diese 30-Sekunden-Snippets zum Reinhören. Die reichen, um einen Eindruck des Liedes zu bekommen, aber wirklich Spaß macht es nicht. Wenn man das Album dann kauft und die Lieder immer noch so kurz sind und einfach abgehackt klingen, wäre das doch enttäuschend. „XTRA“ passiert genau das.

Das berühmteste Vaporwave-Stück ist vermutlich „リサフランク420 / 現代のコンピュー“ von Macintosh Plus. Darin hatte die Künstlerin Vektroid unter anderem Namen das Lied „It’s Your Move“ von Diana Ross gesampled. Es bekam ein ganz neues Gefühl verliehen und bestach durch saubere Loops und gute Effekte. Success Factors versucht sich scheinbar an diesem Lied zu orientieren. Die Stimmen sind ähnlich verzerrt und es wird geloopt wo es nur geht, auch wenn die wenigsten Lieder überhaupt mal 60 Sekunden lang sind. Die Loops sind unsauber, was zwar im Vaporwave teils auch als Stilmittel genutzt wird, doch auf „XTRA“ nicht so gezielt scheint. Es klingt eher so, als würde die digitale Nadel springen, weil die MP3-Datei kaputt ist.

Auch kommt kein Gefühl auf, da die Lieder viel zu kurz sind. Sobald man mal einen Song findet, der einem gefällt, ist dieser auch schon vorbei. Vaporwave ist Musik, die wirken muss und den Hörer auf eine Reise mitnimmt. Success Factors lässt einen am musikalischen Busbahnhof stehen und startet den Bus einfach nur immer wieder ohne loszufahren. Einzig der letzte Song „Bonus“ ist lang genug, um sich fallen zu lassen und zu genießen, doch bis dahin hat man das Album vermutlich schon von der Festplatte gelöscht.

Am Ende bleibt eine Ansammlung von Liedern, die sich anhören, als würden Internetleitung und Soundkarte gleichzeitig in die Knie gehen. Zwar sind die Grundlagen für guten Vaporwave vorhanden und auch nicht immer schlecht eingesetzt, aber die Wirkung kann die Musik in solch kurzen Intervallen nicht entfalten. Success Factors scheint nach dem ersten gefundenen Loop aufgegeben und sich dem nächsten Lied gewidmet zu haben. Ob dies nun daran liegt, dass der Künstler keine Lust hatte oder vielleicht nicht über genug Fähigkeiten verfügt, ist unklar, entschuldigt dieses Machwerk jedoch nicht. Es mag zwar zum „Name-Your-Price“-Tarif, also auch kostenlos, erhältlich sein, aber manche Dinge will man nicht einmal geschenkt haben.