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Sleep On It und "Overexposed": Spielt den selben Song nochmal!

Mi, 08.11.2017 - 00:06
Es gibt Alben, bei denen hat man nach dem ersten Song schon alles gehört. Bei der neuen Platte von Sleep On It hat man hingegen bereits alles gehört, bevor man überhaupt die Play-Taste gedrückt hat.

Pop-Punk – das ist doch dieses Relikt aus den 90ern, das die einstige Aufstands-Kultur massentauglich gemacht und viel zu viele schlechte US-Highschool-Filme geprägt hat? Genau, das ist dieses Genre, das früher mal frech und cool war, nach nicht allzu langer Zeit aber nur noch mittelmäßige Kopien von Blink-182 hervorbrachte. Und dabei waren selbst Blink-182 eigentlich nie mehr als mittelmäßig. Es ist schon beachtlich, dass der immer noch nicht enden wollende Strom an Pop-Punk-Bands nach wie vor ein gewisses Publikum für sich begeistern kann, obwohl bis auf wenige Ausnahmen (eine davon namentlich: Pup) keiner dieser Interpreten ernsthafte Ambitionen zeigte, das Genre voranzubringen. Und so werden sich wohl auch Sleep On It in den Kanon dieser generisch-flippigen Teenie-Acts einfügen, ohne dabei irgendjemandes Lieblingsband zu sein. Die Sparte, die die US-Amerikaner mit „Overexposed“ bedienen, wirkt mittlerweile schon fast wie das Tomorrowland-Festival der Rockmusik: Alles macht irgendwie Laune und Spaß, wer da vorne aber hinter seinem Macbook an den Knöpfchen dreht, ist letztendlich völlig nebensächlich.

Das klingt nun schlimmer, als es eigentlich ist. Eigentlich ist das Debütalbum von Sleep On It grundsolide. Auf der Platte stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein großer Schnitzer ein, die Gitarren dudeln fröhlich durch die straighten Rhythmen, die Refrains sorgen für Ohrwürmer am Fließband. Und genau das ist wohl das größte Problem: „Overexposed“ ist einfach viel zu perfekt. Völlig ohne Ecken und Kanten wirkt das glänzend produzierte Album wie Frauen auf TV-Zeitschriften: So glattgebügelt, das alles gleich aussieht. Einzig „A Brighter Shade Of Blue“ sorgt für ein kurzes Aufhorchen. Mit akustischen Instrumenten erfindet das Quintett sein Songwriting zwar nicht neu, die instrumentale Umgebung unterstützt die dem Pop-Punk angehaftete Melancholie aber wesentlich besser als quirlige E-Gitarren. Hier zeigen Sleep On It, dass sie mehr als nur durchschnittliche Ausschussware sein könnten. So lange sie nicht mehr Mut zu solcherlei Ausreißern wagen, bleiben sie aber genau das.