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A Place To Bury Strangers und „Pinned“: Come on, search the Noise!

Fr, 13.04.2018 - 14:54
Shoegaze ist ein polarisierendes Genre. Manche hassen es und andere lieben es, sich in den Effektgewittern zu verlieren. A Place To Bury Strangers beweisen seit Jahren ihr Können mit selbstgebauten Effektgeräten und düsterer Noise-Musik. Mit „Pinned“ läuten sie nun eine neue Zeit ein.

A Place To Bury Strangers versuchen nun zum bereits fünften Mal, den Blitz in der Flasche zu fangen. Shoegaze und Noise sind Genres, die vor allem live überzeugen und von Nuancen leben. Dies auf ein Album zu bringen ist eine Herausforderung, welche die Band aus Brooklyn bereits mehrfach gemeistert hat. Pumpende Drums, treibende Bassspuren und bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarren waren das Markenzeichen. Ergänzt wurde das Ganze durch die lasziv interpretierten und stark verfremdeten Gesang. Textlich immer eher düster, wenn auch nie übermäßig anspruchsvoll, wusste die Band zu unterhalten und zu begeistern. Der Anspruch lag in der Musik.

Auf „Pinned“ gibt es nun eine neue Person an den Drums. Lia Simon Braswell greift den zwei Männern an den Saiteninstrumenten unter die Arme und spendiert auch in einigen Songs ihre Stimme. Eine vielversprechende Situation, da sie die bekannte Formel noch erweitern könnte. Doch genau dies ist nicht passiert. „Pinned“ wirkt ruhig, zurückhaltend und beinahe langweilig. Die Drums treiben und der Bass schnurrt, doch die Gitarre scheppert nicht mehr. Es fehlt der Noise.

Nun kann man der Band eine Stiländerung nicht vorwerfen, aber die teils vorhandene Lustlosigkeit in den Songs ist schade und bringt aufgrund des gesenkten Geräuschpegels die schon immer eher simplen Lyrics zum Vorschein. Nicht die beste Entscheidung. Der Gesang ist bei A Place To Bury Strangers immer ein Instrument gewesen und muss sich nun plötzlich beweisen, scheitert jedoch meist.

Die Band war und ist live ein Erlebnis, das sich als „kontrolliertes Chaos“ beschreiben lässt. Die selbstgebastelten Tretminen lassen die Gitarre wie alles klingen, nur nicht wie eine Gitarre. Selbst hartgesottene Fans packen sich Hörschutz ins Ohr, welchen die Band meist sogar selbst verkauft - mit passend bedruckter Box natürlich. Die Band bewies, was Noise und Shoegaze können: Hypnosetherapie mit der Abrissbirne. Auf „Pinned“ gibt es wenig Noise, wenig Shoegazing. Die Alben der Bostoner waren schon immer etwas schwächer als ihr Live-Erlebnis, dieses Mal liegt das jedoch nicht am verpassten Moment. Das Songwriting ist oftmals simpel, vorhersehbar und die Effekte sind so brav wie Justin Bieber zu Karrierebeginn, abgesehen von ein paar kleinen Ausnahmen wie „Execution“.

Kaum Lärm, zu sanft für Noise und zu simpel für Post-Rock. Was auch der Plan oder die Idee hinter diesem Album war, sie funktioniert nicht wirklich. Nun mag es dem ein oder anderen Fan gefallen, jedoch ist dies mit Sicherheit das schwächste Album der Band. Schade. Es bleibt die Hoffnung, dass „Pinned“ live besser funktionieren wird, so wie es bei A Place To Bury Strangers immer war.