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Minipax und „LiebeHassFriedenKrieg“: Antifa-Deutschpop mit Herz und Verstand

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Di, 08.05.2018 - 12:06
Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und Minipax liefern auf ihrem Debütalbum den Beweis: Pop trifft auf Punkrock, einfache Melodien auf bedeutungsvolle Texte und Gesellschaftskritik auf Utopie.

So oder so ähnlich könnte ein links-intellektueller Matthias Reim mit krachendem Schlagzeug und Punkrock-Riffs klingen. Minipax vereinen nicht nur in ihrem Albumtitel offensichtliche Gegensätze, auch ihr Sound verbindet Widersprüchlichkeiten.

Schon der Opener „Lieber wütend als traurig“ klingt weder wütend, noch traurig, sondern vielmehr wie die eintretende Euphorie nach einer überstandenen Krise. Schnelle Drums, Punkrock-Gitarrenwände und der unerwartet glatte Gesang, der durch die Backvocals noch eingängiger und heiterer klingt, verwandeln den ersten Song in einen hartnäckigen Ohrwurm mit Irritationspotential – ist das Ironie oder soll das so sein? Doch spätestens bei weiteren Titeln, wie „Die Beschissenheit der Dinge“ oder „Frieden ist Krieg“ wird klar, dass Minipax den ungewöhnlichen, dafür umso zugänglicheren Sound beibehalten.

Die meisten Songs folgen demselben Aufbau und beginnen mit energiegeladenen Instrumentalstimmen in gewohnter Punkrockmanier. Der einsetzende Gesang klingt dann, spätestens im Refrain, wie eingängiger Deutschpop, der wahlweise zum Schunkeln, Tanzen oder Mitsingen einlädt. Die besondere Stärke von Minipax steckt hierbei in den Texten. Wer diesen aufmerksam lauscht, stellt schnell fest, dass es sich hierbei um hochpolitische, teilweise links-intellektuelle Botschaften handelt: „Diese Mauern und Grenzen sind fiktiv, so präsent in euren Köpfen, seid ihr wirklich so naiv?“ Die Band bezieht klar Stellung gegen Nationalismus, Patriotismus, Grenzen, Faschismus, Fremdenfeindlichkeit und andere Engstirnigkeiten und fordern stattdessen die Aufhebung aller Staatsgrenzen, um gemeinsam in Frieden und Freiheit leben zu können. Dabei verzichten Minipax auf hassgeladene Parolen und zitieren stattdessen Artikel 3 des Grundgesetzes.

Dass die fünf Musiker auch direkter, wilder und härter klingen können, beweisen sie mit „Der Letzte macht das Licht aus“, wo Bergmensch, die selbstbetitelte Stimme der Unvernunft, mit seiner Shout-Einlage für einen druckvollen Sound sorgt.

Textliche Aussetzer, wie „Der freie Wille sind drei Promille. Ich kann nichts sehen und trage trotzdem keine Brille“ sind glücklicherweise nur selten zu hören und werden aufgrund der ansonsten klug formulierten Zeilen gern verziehen.

Minipax haben sich wohl bewusst den Mainstream-Sound angeeignet, um ihren gelebten Linksaktivismus in die Welt zu tragen und um auf unkonventionelle Art und Weise gesellschaftliche Missstände anzuprangern – kurz: Auskotzen mit Niveau. So erweitern sie geschickt ihren potentiellen Hörerkreis und sorgen dafür, dass auch im Deutschpop wieder Haltung und Herz vertreten sind. Chapeau für diesen Schachzug!