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Dÿse und "Bonzengulasch": Überwürzt

Sa, 02.12.2017 - 15:33
Streicht den ersten Teil des EP-Titels und lasst nur den zweiten stehen. Dann habt ihr eine akkurate Beschreibung des neuen Dÿse-Werks.

Konzeptlosigkeit ist im Grunde ja nicht zwangsläufig etwas verkehrtes, und gerade bei einem ausgeflippten Ost-Export-Noise-Garage-Duo mit „Scheißegal, wir machen das einfach“-Attitüde wie Dÿse war der Fall jeglicher Grenzen bisher eigentlich immer eher ein Feuilleton-Argument als Klamauk gewesen. „Bonzengulasch“ schießt mit seiner anarchistischen Kleinkunst aber doch etwas zu weit über den Tellerrand hinaus. Es ist zwar einerseits beeindruckend, wie jeder drei EP-Tracks ein völliges Eigenleben führt, gleichzeitig muss man aber auch schlicht und ergreifend anerkennen, dass keines dieser Sound-Experimente wirklich funktioniert.

Da wäre zunächst der Opener und Titeltrack „Bonzengulasch“, der noch wie ein recht klassischer Dÿse-Track abläuft (sofern es einen solchen überhaupt gibt). Das groovende Gitarren- und Schlagzeugspiel nimmt weiter den dreckig-unsauberen Signature-Sound des Duos an, der Text ist flach aber irgendwie herrlich weird, der Refrain lädt mit „Alle machen mit“ wörtlich zum Freudentaumel im exzentrischen Gegröle ein. Dieser Song hätte wunderbar auf einem grandiosen Album wie „Das Nation“ funktioniert, fällt aber trotzdem deutlich nichtssagender als ein „Spinne“ oder „Nackenöffner“ aus.

Doch danach wird es völlig absurd: „Euterei 2.0“ setzt sich aus dekonstruierten Sound-Überlagerungen scharfer Elektronik zusammen, die weder in sich selbst noch im Kontext des Werks substanzielle Existenzberechtigung findet. Wenn das die neue Dÿse-Avantgarde sein soll, ist sie fehlgeleitet, denn für erklärungsbedürftige Programmmusik ist vielleicht in einer Inszenierung Karlheinz Stockhausens, aber nicht im Kontext einer EP namens „Bonzengulasch“ Platz. Sollte das allerdings der Ansatz gewesen sein, wirft das Duo ihn mit „Achtneunneunnull“ gleich wieder über den Haufen, denn hier klingen Dÿse, als wären sie als Kinder in einen Topf voll Deichkind gefallen. Das funktioniert zwar besser als gedacht, die im Text angepeilte Republik wird die Band mit solchen Songs allerdings trotzdem nicht gründen können.

Essens-Metaphern in Album-Kritiken sind grundsätzlich schlecht, Dÿse liefern hier allerdings eine Steilvorlage, die kein Autor eines Musikmagazins ernsthaft ignorieren könnte. Denn Gulasch wird ja dadurch köstlich, dass ein großes Potpourri an Zutaten, die irgendwie zusammenspielen, einen großen Topf Schmackhaftigkeit ergeben. Dÿse haben für ihr Gericht allerdings Ingredienzen gewählt, die weder sonderlich gut zusammenpassen noch einzeln frisch schmecken. Schön, dass es endlich wieder neues Material des Duos gibt. Aber „Das Nation“ ist einfach leckerer.