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Choral Hearse und „Mire Exhumed“: Da wäre mehr drin gewesen

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Mo, 16.04.2018 - 17:00
Melancholisch rockigen Progressive-Doom liefert der Vierer Choral Hearse aus Berlin auf seinem Debüt „Mire Exhumed“. Angereichert mit ein bisschen Post-Rock sowie (leider) Black- und Death-Metal ist das Album ein echter Geheimtipp, nicht nur für Genre-Fans.

Dafür, dass es sich um das Debüt-Album der Berliner handelt, zeigt sich die Band bereits überraschend stilsicher. Am ehesten vergleichen lässt sich der Sound von Choral Haerse mit Opeth in der „Deliverance“- und „Damnation“-Phase, etwas weniger poliert und insgesamt roher. Der erste Song “Chronic Departure”, zeigt auch gleich die Stärken der Band auf. Gitarristin Sara Neidorf lässt ein filigranes Gerüst aus Riffs und melodiösen, fast clean gespielten Pickings für Sängerin Liaam Imam entstehen, welche dieses mit melancholisch klagenden Gesangsmelodien schmückt. Schlagzeugerin Ester Kadar und Bassistin Bar Landau liefern hierfür ein erstklassiges Fundament, spielen doch beide sehr Song-dienlich, aber dennoch mit einer individuellen Note. Vor allem die sehr durchdachten und stets präsenten Basslinien bereichern den Gesamtsound der Band ungemein, sodass man eine zweite Gitarre zu keinem Zeitpunkt vermisst.

Direkt beim zweiten Track “Confession” findet sich aber auch der einzige wirklich große Kritikpunkt, und der liegt in allem, was nicht Klargesang ist, genauer gesagt in den Growls und Schreien von Sängerin Liaam. Vor allem die zum Glück seltenen Growls klingen seltsam drucklos und aufgesetzt. Und auch die gelegentlichen Black-Metal-Einlagen wirken eigentlich wie eine gute Idee, werten die Songs aber auch eher ab als auf. So bleibt gerade bei eigentlich sehr starken Tracks wie “Better Kill The Flies” am ehesten die komische Stelle mit dem seltsamen Gesang im Gedächtnis. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.

“A Hideous Revelation” stimmt aber auch schon mit einem wunderschönen hymnischen Refrain und genau der richtigen Dosis Melancholie wieder versöhnlich. Die darauffolgende Videoauskopplung “An Abduction” ist die wohl böseste Nummer der Scheibe. Ein Black-Sabbath-Gitarrenriff schafft eine schön düstere und bedrohliche Stimmung, und dann… kommen die Growls und machen alles kaputt.

Die letzten beiden Songs punkten aber nochmal mit den Stärken der Band, vor allem bei “Mutation” blitzt noch einmal durch, dass die Band eigentlich als Akustik-Duo geplant war. Auch das abschließende “Once Again” zeigt, wie gut diese Scheibe eigentlich ist, macht aber auch deutlich, dass sie noch viel besser hätte sein können.