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Black Foxxes und „Reiði": Eine Höhenwanderung

Mo, 05.03.2018 - 03:27
Denjenigen, welche der Meinung sind, Placebo würden mittlerweile zu unregelmäßig neues Material präsentieren und der Alternative-Rock bräuchte ohnehin dringend neuen Auftrieb, sei „Reiði“ empfohlen. Ein Mix aus bodenständigem Rock, düsterem Pop und moderner Grunge-Interpretation.

Zugegebenermaßen musste zunächst ein altbekannter Online-Übersetzer für den Albumtitel herhalten, welcher in deutscher Sprache für den Zorn steht. Ist dieser nützliche Helfer bereits geöffnet, kann man auch direkt „Sæla“ (3. Lied) recherchieren: Glückseligkeit, nur eben auf Isländisch. Zorn und Glückseligkeit, kann das zusammenpassen? Ein paradoxer erster Eindruck, der auch von Seiten des Albumcovers getragen wird. Je nach Betrachtungsweise könnte es sich um ein horizontal abgetrenntes Ehepaar handeln, das sich an einem in Graustufen gehaltenen Strand befindet. Fröhliche Szenarien sehen anders aus; auch die bereits veröffentlichten Musikvideos sprechen eine ähnliche Sprache. „Manic In Me“ behandelt, gelungen vertont, menschliche Abgründe. Die Selbstverortung auf der bandeigenen Facebook-Seite lautet nicht umsonst Depression-Pop.

Werfen wir einen Blick auf „JOY“ – ad hoc möchte man meinen, die Zeitmaschine in Richtung 90er wäre aktiviert worden und Nirvana würden ihre neue Single präsentieren. Mitreißende, ungestüme Riffs überraschen und überzeugen zeitgleich; der Refrain ist in ähnlichem Stil (intensive Wiederholung identischer Textzeilen) gehalten und es wird zum Kraftakt, die Füße still zu halten. Vergleichbar ist das Hörerlebnis mit einem Bergaufstieg inklusive angehängter Höhenwanderung. Stetig steigert sich die Qualität der Songs, bis sie im Mittelteil ihren Zenit erreicht. „Am I Losing It“ bezeugt dies durch einen sehr eigenen Charme und bärenstarke Vocals. Letztere sind an vielen Stellen hervorzuheben, besonders das angesprochene „Sæla“ sticht heraus. „I Know Its Suffer“ wird mit einer derartigen Intensität vorgetragen, dass es schlichtweg Freude bereitet.

Insgesamt trifft eine durchweg starke Gesangsleistung auf nachdenkliche Texte und weiß dabei durchaus zu überzeugen. Der anfängliche Querverweis auf einen Genre-Riesen verfestigt sich mit mehrmaligen Hören, ohne dabei abgekupfert zu wirken. Somit stellt „Reiði“ eine starke Weiterentwicklung der Band dar und weckt Erwartungen für den weiteren Werdegang.