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Antipeewee und “Infected By Evil”: Thrash-Metal zwischen Exodus und Metallica

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Sa, 30.06.2018 - 01:01
Kompositorisch anspruchsvollen Thrash-Metal findet man in hierzulande doch eher selten. Umso schöner, wenn Antipeewee den Süden Deutschlands zur neuen Bay(ern)-Area machen.

Während sich die meisten deutschen Thrash-Metal-Bands immer noch an nationalen Vorbildern der Marke Destruction, Sodom oder Kreator orientieren (oder diese einfach komplett kopieren) und damit bei vielen Metal-Fans hierzulande immer noch offene Türen einrennen, haben es Bands, die sich eher am amerikanischen Bay-Area-Thrash orientieren, oft schwerer. Vor allem im Ruhrpott, seit jeher Dreh- und Angelpunkt der deutschen Thrash-Szene, genießen die überspitzt als Rumpelkapellen bezeichneten Bands einen sehr hohen Stellenwert. Hier zählt oft eher Attitüde und Optik als musikalische Finesse.

Umso überraschender, wenn eine Band aus Bayern mit einem vielschichtigen und ausgereift komponiertem Album um die Ecke kommt. Die Lovecraft-Thematik ist zwar mittlerweile ein mehr als alter Hut, der so langsam auch gerne mal für ein paar Jahre im Keller verschwinden dürfte, zum Glück dient der Kosmos aber nur als Aufhänger und es wird nicht über Cthulu gesungen. Kompositorisch setzen die Bayern die Messlatte sehr hoch an, gleich der erste Song nach dem Intro knackt die Sechs-Minuten-Marke. Gerade das Powerchord-Riffing erinnert an frühe Metallica, wobei immer wieder Gitarrenlicks eingestreut werden, die das Geschehen noch einmal abwechslungsreicher machen. Die rotzigen Vocals liefern einen schönen Kontrast zur Gitarrenarbeit und erinnern an Exodus zu „Bounded by Blood“-Zeiten. Sind die Gangshouts im Titeltrack „Infected by Evil“ vielleicht eine schöne Hommage an „And Then There Were None“?

Ein weiteres großes Plus ist die Atmosphäre, die immer wieder mit kurzen Sprachfetzen oder Geräuschen aufgebaut wird. Ein Beispiel dafür ist „Buried (No Way Out)“: Es beginnt mit einem Akustikgitarren-Intro, im Hintergrund hört man einzelne Schritte und schweres Atmen. Diese kleinen Details lassen im Zusammenspiel mit dem Titel bereits den Anfang einer Geschichte entstehen, welche im Song weitergesponnen wird. Elegante Wechsel zwischen Groove- und Highspeed-Passagen, symbolisieren den Kampf von Hoffnung und Verzweiflung des Vergrabenen, ein unheilverkündendes Dröhnen kündigt die Erweckung eines Schreckens aus den tiefen der Erde an. So geht gutes Storytelling.

Ergänzt wird das starke Songwriting durch sehr gute Gitarrenarbeit: Twinleads, hochmelodiöse Solos und eine moderne Produktion lassen „Infected by Evil“ zeitgemäß fett klingen. Bleibt zu sagen, dass Antipeewee eine der wenigen Ausnahmen im Thrash-Metal bildet, die fernab von rumpliger Achtzigerästethik, modernen Bay-Area-Thrash authentisch rüberbringt. Das Ganze wirkt dabei zu keinem Zeitpunkt verkopft oder aufgesetzt und sollte jedem der mit Metallica, Exodus oder, um ein jüngeres Beispiel zu nennen, Angelus Apatrida etwas anfangen kann sehr gut gefallen.