Skateboard Anarchy – Eine kurze Geschichte des Skatepunk

Von der Vans Warped Tour über Tony Hawk bis Turnstile: Kaum ein Musikgenre und ein Sport sind so eng verbunden wie Punkrock und Skaten. Warum sind diese Subkulturen so untrennbar? Die Spurensuche führt in das Kalifornien der 70er-Jahre.
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Wie wahrscheinlich für viele waren die „Tony Hawk’s Pro Skater“-Games für mich ein Erweckungserlebnis: Zum einen zeigten sie mir wie cool skaten ist, zum anderen prägte der legendäre Soundtrack meinen Musikgeschmack. Einen Ollie habe ich in meiner (kurzen) Skaterkarriere nie gestanden, aber die Liebe zum Punkrock blieb.

Doch woher kommt diese enge Verbindung von Skaten und Punk, die sich in Games zeigt, in Musikvideos und in von Skatemarken gesponsorten Konzerttouren? Das Skateboard als Sportgerät ist jedenfalls älter als die Musik: Bereits in den 50ern waren Rollbretter beliebt, doch wie bei so viele Trendspielzeuge dieser Jahre verloren die Jugendlichen bald das Interesse daran. Bis zu einer entscheidenden Entwicklung: In den 70ern kamen weiche Polyurethan-Rollen auf, die mit mehr Grip neue Fahrtechniken ermöglichten – und Gruppen wie das Zephyr Skate Team (Z-Boys) aus Kalifornien begannen damit, zum Beispiel durch leere Pools zu skaten.

Fast gleichzeitig entwickelte sich dort eine Punk-Szene und die beiden Bewegungen begannen sich gegenseitig zu beeinflussen: Jay Adams, einer der einflussreichsten Z-Boys, erzählt: „I completely got into punk rock. It was perfect because i was troublemaker, and thought it was cool to have people fear me.“ („Ich war total begeistert von Punkrock. Es war perfekt, denn ich war ein Unruhestifter und dachte, es wäre cool, wenn die Leute Angst vor mir haben.“)

Er begann mit einer Gang herumzuhängen, aus der später die Band Suicidal Tendencies entstand. Sie gehörte zu einer immer größer werdenden Szene, die sich gleichzeitig als Punks und Skater:innen identifizierten und in ihrer Musik den Sport besangen. Gruppen wie J.F.A. organisierten Shows in Skateparks und das Thrasher Magazine veröffentlichte die einflussreiche Compilationreihe „Skate Rock“.

Aus dem ruppigen Hardcore der Anfangsjahre entwickelte sich ein melodischer Stil, der in den 90ern schließlich im Fahrwasser von Green Day und The Offspring auch kommerziell erfolgreich wurde. Mit Bands wie Pennywise und Lagwagon erreichte der Skatepunk den Gipfel seiner Popularität. Wie die Suicidal Tendencies zuvor drehten Sum 41 ihre Musikvideos im Skatepark – nur eben mit weitaus größerem Budget. Die Soundtracks der Tony-Hawk-Games retteten den Stil ins neue Jahrtausend, wo er auf der vom Schuh-Hersteller Vans gesponserten Warped Tour schließlich durch Pop-Punk und Metalcore verdrängt wurde.

In Deutschland stellte die Terrorgruppe 1997 fest: „Mein Skateboard ist wichtiger als Deutschland“ und machte damit klar, was Skater:innen und Punks verbindet: der Wunsch, willkürlich gesetzte Regeln zu überwinden, sei es in der Nutzung der Stadt oder beim Musikmachen. Aber der sexistische Songtext zeigt auch ein Problem dieser Subkulturen: Die Protagonisten der Punk- und Skate-Szene sind bis heute hauptsächlich hetero, cis und männlich.

Doch auch hier kommt die Diversität endlich ins Rollen: Profis wie Lizzie Armanto und Leo Baker zeigen, dass Skaten ein Sport für alle ist. Und wenn Turnstile (zugegeben, wieder fünf cis Männer) dem Hardcore die Machogesten austreiben, dann rollen sie dabei auf Skateboards. „Tony Hawk’s Pro Skater“ bekam übrigens letztes Jahr ein Remake – und der Soundtrack ein zeitgemäßes Update.