Die schlimmsten Songs zu Sportevents

Stadiongesänge treiben die Mannschaft auf dem Platz voran, Vereinshymnen sind für manche ein wichtiger Teil der eigenen Identität und "We Are The Champions" gehört zu einem gewonnenen Wettbewerb schon so sehr dazu wie der Pokal selbst. Gleichzeitig bewegt sich Sportmusik oft auf dem schmalen Grat zur Grausamkeit - die Redaktion hat das gefeiert.
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Als Album-der-Woche-Nörgelheini vom Dienst sorge ich mit meinem Beitrag hier gleich erstmal dafür, dass wir auf unserem Instagram-Account mindestens 50 Abonnenten aus der Badener Region verlieren werden. Man mag es angesichts meines mittlerweile eher abgekühlten Verhältnisses zum Fußball eher nicht vermuten, aber ich war viele Jahre meines Lebens recht glühender Fan des populären Rasenballsports. Ich bin bis heute Vereinsmitglied beim FC St. Pauli und war - bevor der ganze Mist hier losging - auch des Öfteren im Millerntor auf den Rängen anzutreffen. Ich erinnere mich an einen großartigen Abend im Jahr 2017, an dem mein Team gegen den Karlsruher SC spielte und diesen mit 5:0 vom Platz fegte. Entsprechend euphorische Erinnerungen habe ich natürlich an das geile Spiel - wenngleich ich keines der Tore heute wirklich noch in meinem Kopf reproduzieren kann. Hängengeblieben ist allerdings die Vereinshymne des KSC, die vor Anstoß erklang und die mir so gut wie selten unter Beweis stellte, wie unglaublich geschmacklos die Kombination Fußball und Musik doch regelmäßig ausfällt. Das hier angesprochene Meisterwerk trägt den Titel "KSC olé olé" und ist textlich in etwa so originell, wie der Name vermuten lässt. Aufgenommen wurde dieses Abziehbild einer generischen Fußballhymne von der Frau des ehemaligen Karlsruhe-Spielers Michael Wittwer. Herausgekommen ist dabei einer der grausamsten Schlager der Menschheitsgeschichte, der fragen lässt, ob der KSC eigentlich überhaupt sowas wie eine Identität abseits von "Wir sind ein Fußballverein und wir gewinnen immer" hat. Aktuelle Realität übrigens: 6. Platz in der 2. Liga. Joa, Champions League ist das jetzt noch nicht. Aber wenn es scheinbar sonst nichts zu sagen gibt, dann schreibt man eben historische Verse wie:

"Hoch die Fahnen in den Wind,
die Stimmung riesengroß.
Wir geben alles ganz bestimmt,
jetzt geht’s lohohohoooss.
"

Bei solcher lyrischer Finesse ist man ja fast schon beeindruckt, dass in der zweiten Strophe plötzlich ein geradezu akademisches Kennerwort wie "resigniert" vorkommt. Aber reimt sich eben so schön auf "regiert". Mir bleibt am Ende jedenfalls nur anerkennendes Nicken: Wenn man zu so einem Bockmist wirklich unironisch aus voller Kehle mitbrüllen und hemmungslos abfeiern kann, dann muss die Vereinsliebe wirklich verdammt groß sein.

Bei Musik und Sportevents ist es gut, dass ich beides mag! Gut deswegen, da beides wohl nie ganz ohne das andere auskommen wird. Wo ich so darüber nachdenke: Stadion-DJ ist auch ein großartiger Beruf. "Was zwing ich den 20.000 Menschen die in der Halbzeit des Spiels nicht Getränke holen oder mal müssen denn heute schönes auf? Ich weiß es: Nickelback!" Ich stehe aber hier unten in der Kurve und schüttel nur mit dem Kopf. Auch wenn ein hoher prozentualer Anteil der Anwesenden es nicht einmal registiert, ich mache es. Jedes Mal und ausnahmslos. Leider. Denn genau deshalb ärgere ich mich dann doch wieder über den Einheitsbrei und freue mich bereits, wenn der Stadion-DJ mal besonders wild drauf ist und "Sad But True" von Metallica oder "Highway To Hell" auflegt. Gleichzeit gibt es aber auch immer wieder Neues kennenzulernen und zu entdecken. Ob der Cowboy mit seiner Stadionhymne in Leverkusen oder "Die Legende lebt" beim FC Nürnberg. Sich mit Musik zu beschäftigen ist Zeitvertreib, bis das Spiel endlich anfängt oder die elendig langen 15 Minuten Halbzeit endlich vorbei sind. Genug aus meinem Alltag vor der Corona-Pandemie. Spulen wir die Zeit zurück ins Jahr 2017, es ist der 01. Oktober. Ich bin in Berlin und da weder die Hertha noch Union an diesem Wochenende ein Heimspiel haben, besuche ich ein Eishockey-Spiel der Eisbären in der Mercedes Benz-Arena. Die Stimmung passt, es gibt Feuerfontänen wenn die Eisbären einlaufen und Bier aus 1 Liter Pappbechern. Was will man mehr? Dachte ich. Denn es gibt da diese nervige Leierkastenmusik, die regelmäßig die Zeit während des Bully füllt. Der Kerl mit dem Kasten ist nicht zu sehen, aber man kann ihn hören. Das ist viel schlimmer. Und die Leute? Die feiern das! Klatschen mit, rufen laut "Hey!" an der richtigen Stelle, die ich gar nicht treffen will. "Dö dö dö döp, dö dö dö döp. HEY!". Und das wird immer heller und nervtötender dabei. Mal ganz im ernst, Eishockey in der Halle anzuschauen macht richtig Spaß! Kurz vor Beginn der Pandemie habe ich es noch einmal nach Köln geschafft um die Haie zu sehen, witzigerweise ebenfalls gegen die Eisbären. Mein Problem: DIESES LIED GIBT ES ÜBERALL! Meine Lösung: Mehr Bierbecher trinken. Die sind in Köln nämlich kleiner. (Und ja, ich weiß dass da kein Typ mit einem Leierkasten im Stadion ist).

Ob Stefan Raabs kompetitive Fernsehshows wirklich als Sportübertragung gezählt werden konnten, sei mal dahingestellt. Aber zumindest versuchte der ehrgeizige Produzent und Moderator sie so wirken zu lassen. Neben Statistik-Einblendungen und den gut sichtbar platzierten Sponsorenlogos gehörte dazu ein Zusammenschnitt der Highlights, gerne unterlegt mit Whitney Houstons „One Moment In Time“. 1988 als Hymne der Olympischen Spiele in Seoul veröffentlicht, muss dieser Song fast immer herhalten, wenn es darum geht, große Gefühle zu untermalen. Mittlerweile ist er zu so einem Klischee erstarrt, dass Satiresendungen ihn ähnlich oft benutzen, um die Untermalung von großen Gefühlen zu parodieren. Sein überladener 80er-Jahre-Diva-Pop-Bombast prädestiniert ihn ja auch sehr gut dafür – und macht ihn gleichzeitig so unerträglich. Wenn mir als Zuschauer mit einem solchen Song vorgegaukelt werden muss, ich würde hier gerade hochemotionale Szenen gezeigt bekommen, die aber ohne Slow Motion, Schwarz-Weiß-Filter und eben Whitney Houston eigentlich nur die am wenigsten langweiligen Momente waren, dann wird auch der Song an sich, trotz allem, langweilig.

Zuallererst: Ich habe mich, außerhalb vom typischen WM-Fieber, noch nie wirklich für Fußball interessiert. Aufgewachsen in Franken zwischen den Lokalfeinden Greuther Fürth und Nürnberg hatte ich zwar schon früh Berührungspunkte zu Fußball und auch der flammenden Leidenschaft, die manche Menschen 22 einem Ball hinterherrennenden Sportler:innen entgegenbringen können, aber trotzdem hat es mich nie wirklich gepackt. Die Phase, in der es cool war, Fußballfan zu sein, hatte ich in der Schule dann trotzdem kurz – und da mein Bruder Bayern-Fan war (No-Go in Franken übrigens), musste ich natürlich dagegenhalten und wünschte mir kurzerhand ein BVB-Trikot zu Weihnachten. Dementsprechend gequält wurde ich dann auch von „FC Bayern, Stern des Südens, du wirst niemals untergeh’n“ über die Boxen meines Bruders. Und doch finde ich einen, mit Fußball in Verbindung stehenden Song noch schlimmer als die Bayern-Hymne, die sich auch meiner Meinung nach zu Unrecht Musik schimpfen darf. Bei diesem Song handelt es sich um den Titelsong der WM 2010 in Südafrika: „Waka Waka (This Time For Africa)“ von Shakira. Shakira hat auch sonst nicht gerade mit erträglichen Fußballsongs geglänzt, 2014 gab es etwa „La La La“ (lyrisches Meisterwerk) für Brasilien. Gleich bleibt aber die Verwendung der Landessprache in Verbindung mit stereotypischen Kostümen an Menschen, die im Hintergrund „tanzen“. Ist das schon kulturelle Aneignung?