Mein Lieblingssong zum Thema "Trennung"

Einmal monatlich stellt die Redaktion ihre ganz persönlichen Lieblingssongs zu einem Thema zusammen. Das Thema Liebe ist eines der größten in der Musik und natürlich haben wir auch für die schmerzhaften Seiten des Themas ein paar Lieblingslieder, die uns begleitet haben.
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Ich bin ein Mensch, der Liebe sehr intensiv fühlt und lebt. Leider ist es bei Trennungen genauso. Ich falle in ein schier endloses Loch und habe dafür in vergangenen Beziehungen, bzw. deren Ende, ein paar Songs gefunden, die sich wunderbar als Salz in der Wunde eignen und den Schmerz verzehnfachen. Ich weiß nicht warum, aber in diesen Momenten brauche ich genau solche Lieder.

Natürlich stehen Nine Inch Nails dabei ganz oben auf der Liste. Vom ersten Album "Pretty Hate Machine" kommt ebendieser Song, welcher in der Akustik-Variante auf der "Still"-EP noch einmal dramatischer wirkt. Oder man nimmt ein Live-Bootleg aus den 90ern, als ein von Drogen zerfressener Reznor seinem Herzschmerz Ausdruck verleiht. Das Lied stellt die richtigen Fragen und die für Nine Inch Nails-Verhältnisse ruhige Instrumentalisierung schafft eine klagende und wunderschöne Atmosphäre. Perfekt um ihn mit 17 im dunklen Zimmer auf Dauerschleife zu hören. 

Weitere Anspieltipps: Nine Inch Nails - Leaving Hope und Piggy, Bring Me The Horizon - Drown, Die Ärzte - 1/2 Lovesong, The Cranberries - I can't be with you, Calum Scott - Dancing On My Own

Ich liebe traurige Musik. Schön melancholisch, sodass man sich darin verlieren kann. Dass einem der Schmerz geradezu aus der Seele gesogen wird. Dass man die Welt um sich herum vergisst und einfach nur existiert und fühlt. Man kann sich stundenlang in seiner Trauer suhlen und irgendwann, nachdem man das Leid seiner Ikonen zum wiederholten Male geteilt hat, steht man auf und es geht einem besser. In kleinen Schritten wird es immer erträglicher, bis man den Schmerz nur noch als kleines Wesen in den hinteren Teil seiner selbst schließen kann, bis es nur noch ab und an anklopft. Nun gut, so dramatisch wie gerade beschrieben muss es nicht immer ablaufen. Zugegeben, ich höre traurige Musik auch, wenn es mir gut geht. Einfach, weil ich sie schön finde. Aber gerade in Momenten der Trauer, des Schmerzes spricht sie einem aus der Seele. Entweder kann sie die eigenen Gefühle nahezu perfekt ausdrücken, oder aber man weiß, dass es einem immerhin nicht so theatralisch schlecht geht wie dem Sänger des Songs. Das Lied, welches für mich perfekt das Ende einer Beziehung beschreibt, ist "Music When The Lights Go Out" von The Libertines. Dieses Lied verkörpert die poetische Umsetzung einer Trennung, vor allem für Musiker: So singt Peter Doherty "I no longer hear the music", als Zeichen dafür, dass die Beziehung nicht mehr funktioniert, die Gefühle nicht mehr stimmen. Für mich persönlich eine liebevolle Metapher für das schmerzliche Gefühl, wenn es einfach nicht mehr passt. Es geht um Erinnerungen, um das Ende einer Liebe und darum, dass man die Musik eben nicht mehr hört und die Herzen nicht mehr im gleichen Takt schlagen. 

Ob ein Breakup-Song mich berührt oder nicht, steht und fällt einzig und allein mit den Lyrics. Ich brauche keine rührseligen Instrumentals oder Schluchzgesänge á la Cigarettes After Sex, ich brauche nur eine gute Geschichte. Und die prädestinierte Musik für solche Geschichten ist Rap. Mit “Sherbet Sunset” hat die Londoner Rapperin Little Simz genau so eine Geschichte geschrieben. Die Künstlerin reflektiert in diesem Song eine zerbrochene Beziehung auf so ehrliche und verletzliche Weise, dass man unweigerlich beginnt, Mitgefühl oder zumindest eine Art Verständnis zu entwickeln. In den Lyrics schwingen sowohl Traurigkeit, Wut und Resignation als auch Einsicht und Erkenntnis mit. Mit Zeilen wie What a waste of chemistry, energy and empathy / Wonder when you plan to let me know about her pregnancy / You have no integrity, emotion or respect for me, bringt mich “Sherbet Sunset” ein ums andere Mal zum Schlucken. Genauso muss ein Breakup-Song sein.