Youth Okay: Hinter dem Buch zur Musik

„Streaming tötet die CD!" – Die Aussage mag plump und plakativ sein, jedoch ist ihr Wahrheitsgehalt unbestritten. Warum soll ich denn für die CD zahlen, wenn ich für mein Streaming-Abo nur 'nen 10er zahle? Eine überzeugende Antwort findet man selten. Im Gespräch mit Youth-Okay-Sänger Daniel erfahren wir mehr von deren starken Idee.

Wenn man sich die Special Editions der Albumreleases der letzten Jahre anschaut, ist gefühlt alles dabei. Schlüsselanhänger, Making-Of-DVDs, Sticker, Patches und Shirts sind dabei wohl die gängigsten Gimmicks. Neuerdings werden auch gerne Teile des Backdrops der zurückliegenden Tour verschickt und ganz selten ist auch mal etwas wirklich Kreatives dabei. Betontod haben einen Flachmann eingepackt, Alligatoah ein Blumenpflanzset. Doch die schönste Idee hatten wohl Youth Okay. Mit ihrem aktuellen Album „Turns“ haben sie in vielerlei Hinsicht einen Treffer gelandet, jedoch standen sie auch vor der Frage: Wie bekommt man heute ein Album effektiv unter die Leute? Ein guter Schritt war schon mal der Release auf Vinyl, das hat immerhin die Liebhaber sofort angesprochen. Doch hat man auch ein gutes Stück zusätzliche Arbeit investiert, um ein Konzeptbuch zu erstellt. Das Buch konnte exklusiv bei Munich Warehouse, der Plattform von Blackout Problems Frontmann Mario, vorbestellt werden. „Wir haben erstmal eine kleine Auflage machen lassen, aber dann waren die Reaktionen darauf so gut, dass die Vorbestellung schlagartig ausverkauft war“, berichtet Daniel. Als zusätzlicher Anreiz wurde unter allen Vorbestellern eine Pre-Listening-Session mit der Band verlost: „Wir haben auch gar keinen Verlag oder sowas gebraucht. Das Ganze ist mehr sowas wie ein extra großes Album-Booklet.“

Das trifft es wohl am besten. Auf „Turns“ haben Youth Okay ein hartes, aber dafür umso wichtigeres Thema aufgegriffen: Depressionen. In ihren Songs sprechen sie aus den verschiedensten Blickwinkeln darüber, jedoch hebt das Konzeptbuch das Werk auf eine ganz andere Stufe. Es ist gefüllt mit Interviews, Bildern und Gedichten, die die Band dafür erstellt und gesammelt hat. Sänger Daniel erzählt von einem ganz besonderen Teil des Buches: „Das war ein sehr langes und intensives Gespräch mit einem Opernsänger, der aber aufgrund seiner Krankheit seinen Job einfach nicht geschafft hat, was ihn zusätzlich belastet hat. Und es hat eine lange Zeit der Therapie gebraucht, bis er wieder eine Bühne betreten konnte.“

Das Buch ist wahnsinnig detailverliebt, wie bereits das Cover beweist. Es zeigt einen Kopf, der merkwürdig proportioniert scheint. Dieses Cover funktioniert nicht nur auf rein optischer Ebene, sondern bedient auch eine Metaebene. Denn mit dem Öffnen des Buches öffnet man auch den Kopf. Viel Arbeit und viel Liebe steckt in diesem Buch, zudem ist es mit kleinen Easter-Eggs versehen, wie zum Beispiel einem Daumenkino. Es hat genau hundert Seiten, jedoch wurde auf Seitenzählung verzichtet, lediglich die erste und letzte Seite besitzen eine Nummerierung. Das Buch hat das Format einer CD und findet auf diese Weise Platz in jedem CD Regal. Nur eine CD enthält es nicht, dafür gibt es zum Schluss einen Downloadcode. 

 

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