Keine Rezeptpflicht: Sorry3000 debütieren mit Single "Nasenspray" bei Audiolith

Seid ihr die heile, gekünstelte Welt der abertausend Popsternchen da draußen satt? Sorry3000 könnten eure Band sein. Denn das Quartett aus Halle singt nicht den nächsten kitschigen Song über dramatische Beziehungsenden, sondern hat einen Track über Nasenspray-Abhängigkeit gemacht.
sorry30005creditlorenztroll.jpg

Die Phrase "Ist das Kunst oder kann das weg?" ist mittlerweile so abgedroschen wie Kochmetaphern in Review-Texten. So stellt man als Musikjournalist durchaus seine eigene Kompetenz in Frage, wenn einem zu der ersten auf Audiolith erscheinenden Single von Sorry3000 partout kein besserer Einstieg als ebendieser Satz einfällt. Aber um ehrlich zu sein: Passender als hier war diese Frage wahrscheinlich selten. Da bekommt eine Band quasi aus dem Nichts bei einem der kultigsten Independent-Labels des Landes einen Vertrag, teasert die erste Single mit einer völlig bekloppten Clip-Montage von einer abstürzenden Rakete an und weist sich dann selbst auch noch dem Genre "Real Pop" zu.

Und dann dieses Video und dieser Song: Im Clip zu "Nasenspray" inszenieren Sorry3000 mit einem wahrscheinlich maximal zweistelligen Budget eine Reality-Show im alterprobten RTL-Style und singen parallel auf puristischen Synthesizer-Instrumentals über die dramatische Geschichte einer Nasenspray-Abhängigkeit. Die Gesangsparts in den Strophen haben keinerlei Kontur und widersprechen jeglichem vernünftigen musikalischen Verstand. Und trotzdem kommt man nicht umhin, am Ende einzugestehen, dass "Nasenspray" ein absoluter Banger ist, ohne es einem auf die Nase (höhö) zu drücken. Da könnte gerade ein Instant-Kulthit geboren worden sein.

Und jetzt mal kurz Realtalk: Wer Kochkraft durch KMA für ihre famosen Blödeleien feiert, der könnte mit Sorry3000 das Äquivalent für die Momente gefunden haben, in denen man mal nicht mit fettem Synthesizer-Geballer die Fresse poliert bekommen möchte. Das wird groß.