Album der Woche präsentiert: Das 440Hz Festival sucht Erfahrungen für alle Sinne

Vom 28. bis zum 30. Juni findet in diesem Jahr erstmals das 440Hz Festival im Hamburger Gängeviertel statt. Die Veranstalter versuchen dabei, Musik und Kunst auch außerhalb des Rahmens von Konzerten zu erkunden. Album der Woche präsentiert euch das Event.
440 HZ

Wer Musik in voller Gänze erfahrbar machen möchte, der kann nicht nur auf seine Ohren vertrauen. Synästhetische Konzepte, bei denen klangliche Erfahrungen mit anderen Sinnen verknüpft werden, existieren nicht nur seit jeher in den Werken avancierter Musiker, sondern sind auch in den immer bunter gestalteten Live-Shows großer Künstler und den multimedialen Erfahrungen vieler Festivals längst Alltag geworden. Insofern ist der Ansatz des 440Hz Festivals ein nahezu logischer Schritt – hier ist Musik keine singuläre Erfahrung, sondern Dreh- und Angelpunkt eines vielfältigen Programms. Das wird besonders am Sonntag des dreitätigen Festivals deutlich, an dem keine Konzerte stattfinden, sondern Fotografien und Gemälde ausgestellt werden, ein Live-Rollenspiel zum Aufstieg eines Musikers durchgeführt wird und ein Workshop zum Thema „Klang aus dem Alltag“ stattfindet. Musik in all seiner Diversität deutlich zu machen ist eine Kernidee des 440Hz-Festivals – und die wird auch an den anderen Tagen des Wochenendes deutlich.

So finden am Freitag und Samstag Konzerte und Veranstaltungen aus den unterschiedlichsten Genre-Bereichen und Nationen statt. Nachdem eine Sandmalerin am Freitag das Festival eröffnet, setzt Mia Fernlund ganz intim mit multilingualer Akustik den Startpunkt für das musikalische Programm und wird anschließend von Hava Bekteshi abgelöst, die sich auf der zweisaitigen Langhalslaute Çifteli der albanischen Folkloristik widmet. Einen ganz anderen Ansatz fahren Chill mal, die entgegen ihres deutschen Bandnamens Pop, R’n’B und Hip-Hop auf Vietnamesisch spielen. Tini arbeitet sich wiederum durch sphärische Indie-Pop-Welten und erzeugt damit eine ebenso introvertierte Atmosphäre wie Bad, ein Akustikduo, das ukranisch-russische „Küchenmusik“ performt. Auf dem Papier fassbarer ist die Musik von Barani, die im Anschluss deutschsprachigen Indierock performen und damit den Weg für Stary Ikarus ebnen, die russischen Rock-Pop mit Folk-Elementen inszenieren. Für den Abschluss des Freitags sorgen die Hamburger Lokalmatadore Urban Bears, die mit kraftvollem Alternative Rock das musikalische Programm wuchtig beenden.

Urban Bears

Urban Bears

Noch lauter wird der Samstag eröffnet: XYNior zeigen mit ihrem russischen Punk auf sarkastische Art und Weise Missstände in der Welt auf, die Wazzup mit smoothem Reggae-Hop und dem Wahlspruch „Unsere Liebe wird alles Böse besiegen“ aufzulösen versuchen. F1n3st baut diesen Hip-Hop-Aspekt noch weiter aus und konzentriert sich auf hadernden Rap, der unter anderem seiner jüngsten EP „eindrittel“ entstammt. Der Kolumbianer Loco Jet arbeitet hingegen wesentlich intimer – mit Loop-Station und Gitarre kreist er durch spanischsprachige Akustikwelten, die auch immer wieder bei klassischen Latin-Vibes anklopfen. Wer seinen Blick auf der Landkarte dann wieder ostwärts schweifen lässt, landet bei TMA, die russische Folklore mit klangvollen Blackbläsern wirkungsvoll inszenieren. Falling Moose schlagen dann kontrastierend mit lebhaftem Indierock auf und leiten mit ihren lauten Gitarren die noch lautere spanische Metalcore-Band Fault Won’t Fade ein. Die letzte Band des Tages ist Smoothica, die sich musikalisch zwischen Neo-Soul, Jazz und Pop austobt.

Smoothica

Smoothica

Am Ende jedes Tages wird eine Jury einen Gewinner-Act küren, der sich dann über ein kleines Bonus-Geschenk freuen darf. Außerdem laden DJs ein, noch bis tief in die Nacht den Abschluss des Tages zu genießen.

440 Hz

440 Hz Festival - das volle Programm.