Editorial November 2021: Kultlabels

Schon Tenacious D haben mal in einem Song gesagt, dass wir zu viel über Künstler:innen und zu wenig über die Menschen im Hintergrund sprechen. Dabei gibt es gerade im Bereich der Plattenlabels Institutionen, die mindestens genau so maßgeblich für einen Sound sind wie einzelne Bands. Wir stellen diese Grundpfeiler der Musikindustrie vor.
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Liebe Leser:innen,

mit dem Plattenlabel Sub Pop hatte ich irgendwann in meiner Jugend mal ein Erlebnis, das viele Leute vielleicht so ähnlich mit den Chicago Bulls oder Thrasher hatten: Ich habe herausgefunden, dass hinter den sehr kleidsamen T-Shirts tatsächlich ein Plattenlabel mit nicht geringem Einfluss steht. Es spricht nicht immer für die Reputation einer Sache, wenn gar keiner so richtig zu wissen scheint, was eigentlich dahintersteckt und offensichtlich nur der Logodesigner einen bahnbrechenden Volltreffer gelandet hat. Und dennoch ist es mit Sub Pop so wie mit dem leicht besoffen aussehenden Nirvana-Smiley oder mit dem Cover von „Unknown Pleasures“: Die richtigen Leute kennen dann eben doch mehr als drei Songs. Und so ist auch Sub Pop für mich irgendwann zu mehr als nur einem Modestatement geworden. Meine Mutter hat früher mal alle ECM-Platten sortiert nach Katalognummern gesammelt und so cool wäre ich auch gerne – die Grundfaszination am Sound eines einzelnen Labels, das eine großartige Platte nach der anderen rausbringt, kann ich nämlich absolut teilen.

In der Redaktion geht es nicht nur mir so und so widmen wir in diesem November mal einen Monat all den Labels, die mehr sind als nur eine Geldmaschinerie, die identitätslos einen Bestseller nach dem anderen raushaut. Unsere Highlights sind dabei so mannigfaltig wie handverlesen: Wir schreiben zum Beispiel über Grand Hotel van Cleef, die wie kein Zweites für den Sound der Hamburger Schule stehen. Das Label aus der Hansestadt kann zeitgleich für ein Phänomen als Beispiel dienen, dem Kollege Kai sich diesen Monat gewidmet hat, nämlich Labels, die von Künstler:innen selbst ins Leben gerufen wurden. Steffen wirft einen Blick über den großen Teich und hat einen Artikel über Dischord Records verfasst, der Spielplatz der beiden Gründer von Minor Threat. Ich habe mich – wer hätte es bei der Einleitung dieses Editorials gedacht – meinem Lieblingslabel Sub Pop gewidmet und dabei versucht, den Sound der Firma zu destillieren, die früher für das Erstarken des Grunge eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat und deren Musik auch heute noch mit viel Noise-Feedback aus meinen Boxen hallt. Und im Plattensprung haben wir in diesem Monat auch Besuch, der dem Motto des Monats gerecht wird – seid gespannt!

Darüber hinaus scheint der November tatsächlich ein ganz fantastischer Release-Monat zu werden, der uns nochmal mit einigen Highlights beglückt, bevor uns erwartungsgemäß die übliche Weihnachtsflaute erwartet. Van Holzen zum Beispiel teasern uns seit Monaten mit einem Banger nach dem nächsten an und haben augenscheinlich den Post-Punk für sich entdeckt – auf ihrem dritten Album passenderweise übrigens erstmals ohne Majorlabel-Unterstützung. Apropos Post-Punk: Es gibt SCHON WIEDER ein neues Idles-Album! Offenbar haben die Briten gar keine Lust mehr auf Ruhe. Aber wie könnte man auch, wenn man zu den Speerspitzen einer der wichtigsten Rockbewegungen unserer Zeit zählt? Für Freunde des lauten Gebrülls haben außerdem Devil May Care und Converge Stoff parat – und wer schon in die erste Dezember-Woche schielt, der kann als Album-der-Woche-Leser natürlich nicht umhin, sich wie bekloppt auf die neue Solo-EP von Kora-Winter-Sänger Haxan zu freuen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und einen großartigen November!

Jakob für die Redaktion