Touché Amoré und Swain in Essen

Zwei der spannendsten Bands unserer aktuellen Zeit waren erneut gemeinsam auf Tour – und sorgen für einen Abend, der das Wort „unvergesslich“ endlich wieder unumgänglich macht.

Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, dass sich Touché Amoré und Swain im winzigen Hamburger Hafenklang die Ehre gaben. Die Zeche Carl in Essen ist dagegen schon fast ein Palast, vor allem die viel höhere Decke sorgt für ein deutlich weniger intimes Flair. Doch das spielt am heutigen Abend wirklich überhaupt keine Rolle. Swain eröffnen das Konzert mit einer halben Stunde ihres irren Hardcore-Grunges. Dass die grandiose Musik der Holländer langsam auch im Publikum ankommt, lässt sich an der höher werdenden Quote von textsicheren Zuschauern mit großer Freude beobachten. Und so tänzelt Frontmann Noam Cohen mit seinen patentierten Schlangenbewegungen durch die ekstatischen Songs seiner Band, lässt sein Publikum mitsingen, moshen, tanzen und genießen. Ein gewaltiger Auftritt mit einer bemerkenswerten Reaktion der Zuschauer, die für eine Vorband nicht selbstverständlich ist. Wo ist diese Kombo nur all die Jahre gewesen? Und wieso sind Swain noch nicht weltberühmt?

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Ihren Headliner-Posten haben sich Touché Amoré trotzdem mehr als nur verdient. Als „Flowers And You“ das erste Mal losbricht, stürmt sofort das gesamte Publikum vier Meter nach vorne. Sie alle wollen Jeremy Bolm so nahe sein wie es nur geht, jede Textzeile in sich aufsaugen und mitschreien. Man fragt sich, warum Bolm hier überhaupt singen muss. Seine Fans können sowieso jedes Wort fehlerlos wiedergeben. Und so lässt er auch jeden immer wieder in sein Mikrofon brüllen. Es ist kein Abend, an dem eine Band für ihr Publikum spielt. An diesem Abend durchleben Musiker wie Fans auf gleicher Höhe schmerzvolle Erlebnisse. Pausenlos springen Crowdsurfer von der Bühne, um sich regelrecht vom Meer der Emotionen tragen zu lassen. Sein Publikum so zu einen ist wahre Kunst. Die beenden Touché Amoré schließlich sogar noch mit zwei spontanen Zugaben. Heute kann einfach keiner genug bekommen.