Konzertbericht: Smile And Burn in Berlin - „Ey Leute, Tanznummer jetzt, scheiß drauf!“

Wenn Lieblingsband und Freunde gemeinsam eine Bühne betreten, kann man an diesem Abend eigentlich nichts anderes vorhaben, als vor eben jener Bühne zu zappeln. Genau das war der Fall, als die Berliner Punkrabauken Smile and Burn bekannt gaben, dass die Braunschweiger Kapelle Forkupines sie auf dem letzten Teil ihrer „Get Better Get Worse“ Tour begleiten würde.

Das Konzert in Berlin sollte das letzte der Tour sein. Aber nicht nur das: Es ist auch das letzte Konzert einer zehnjährigen Bandgeschichte. Zumindest in der bekannten Konstellation, denn Gitarrist Saschi und Bassist Chris werden die Band nach dieser Tour verlassen. Die Show im schmucken „Zukunft am Ostkreuz“ stand also unter einem wehmütigen Stern. Doch dieser sollte umso heller leuchten.
Auf dem Weg zum Konzert lesen wir, dass es noch Abendkasse gäbe. Eine Berliner Band, die nach zehn Jahren eine Hometown-Show nicht ausverkauft? Ein einfaches Schulterzucken und ein frei nach Berliner Schnauze „Is' halt kein Techno“ sind die Antwort. Dennoch ist der kleine Saal ordentlich mit Menschen bestückt, als die Forkupines auf die Bühne klettern und eine Nummer nach der anderen schmetterten. Das Berliner Publikum ist außerordentlich gut aufgelegt und nach den ersten zwei Minuten treibenden Beats und Riffs hörte man mehr als nur seichtes Hufgescharre aus der Mitte. Alsbald entsteht ein waschechter Schubskreis, der sich in Größe und Teilnehmerzahl in den verbleibenden 30 Minuten stetig steigert. Von der Raumtemperatur ganz zu schweigen. Die drei Jungs auf der Bühne haben sichtlich Spaß, ebenso wie die ersten Reihen davor.
Diese füllen sich in der Umbaupause auch ruck zuck, bis ein erwartungsvolles und vorfreudiges Gesicht neben dem anderen strahlt. Ich nutze die 15 Minuten Pause, um einmal über meine bisherigen Punkrockkonzert-Erfahrungen nachzudenken. Lang ist's her. Punkrock, das heißt doch jede Menge Schweiß, mehr Hüpfen als bei der Bundeswehr, Sex-Pistols-Shirts und Bierdusche, Nietengürtel und steif gestylte Irokesen. Man merkt, ich komme vom Dorf. In Berlin ist Punkrock 2018 immerhin ein Slime-Pulli und Stachelfrisur. Ich genieße das bunt gemischte Publikum und ehrlich gesagt, so ganz schranziger Punk ist das ja auch nicht, was Smile And Burn fabrizieren.

1-1.jpg

Als die Jungs die Bühne entern ist das Gejohle und Geklatsche laut und die knapp 300 Kehlen schweigen erst nach der allerletzten Zugabe wieder. Diese vorerst finalen eineinhalb Stunden sind voll von allem, was ein famoses Konzerterlebnis ausmacht: Circle Pits, Hooligan-eskes Mitgegröle, Wall of Deaths, witzige Dialoge auf der Bühne, Crowdsurfer ohne Ende, Freunde und Fremde, die sich in den Armen liegen, erhitzte Gesichter. Wer am Ende klatschnass den Saal verlässt, kann völlig zurecht behaupten: „Is' nich' mein Schweiß!“
Außerdem fehlt kein einziger Smile-And-Burn-Hit. „One Step Forward“, „Expectations“ und „Bye, Bye Perfect“ sowie unzählige darüber hinaus. Die Fans in Berlin können sowieso jeden einzelnen mitsingen, gar keine Frage. Zwischendurch verlangt Schlagzeuger Wolli zwei Mal atemlos nach einer Pause, in welcher Sänger Phil kurzerhand ein Tablett mit Kurzen an die Zuhörerschaft verteilt. Prost und Ex, bevor er sich im nächsten Titel selbst von der Bühne schmeißt und sich und Technik unter Fans begräbt.
Und am Ende? Auch einer Band, die bereits zehn Jahre musiziert und vier Alben veröffentlich hat, gehen irgendwann die Zugaben aus. Dann heißt es Abschied nehmen. Von Chris und Saschi und auch von der gesamten Band, die sich bis nächstes Jahr vorerst zurückzieht. Besonders Frontmann Phil steht die Wehmut ins Gesicht geschrieben. Aber viele Herzen und geschüttelte Hände trösten vielleicht für den Moment darüber hinweg. Und alle Menschen in diesem Raum hoffen, dass es 2019 weitergeht. Bis dahin: Ohren steif in der Brise.