Konzertbericht: Sailing away with Flogging Molly

Eine der großartigsten Irish-Punk-Bands gab sich mal wieder die Ehre in Leipzig. Gastautor Markus Hettwer war natürlich mittendrin statt nur dabei.

Mitte letzten Jahres feierten Flogging Molly den Release ihrer neuen Platte „Life is Good“. Natürlich konnte ich damals nicht warten, bis es die LP im Laden gab, sondern hörte direkt auf Spotify hinein. Das Intro „There’s Nothing Left Part 1“ stimmt direkt ein, „The Hand of John L. Sullivan” kracht richtig rein und versprüht den Charme und die Energie von Flogging Molly, wie man sie bereits von Platten wie „Drunken Lullabies“ oder „Swagger“ kannte. Der Rest des Albums wirkt erstaunlich ruhig, aber bereits am Elbufer in Dresden bewiesen die Jungs und Mädels um Dave King als Support von den Broilers, dass sie immer noch zu den besten Live-Bands gehören.

Dementsprechend erfreut war ich, als Flogging Molly ihren Gig im Leipziger Haus Auensee ankündigten, auch wenn über die akustischen Qualitäten der Location (mal zurecht, mal nicht) gestritten werden kann. Einen riesigen Freudensprung machte ich, als kurz vorher neben Val Sinestra auch noch die „Nachhilfelehrer“ der Sondaschule als Support angekündigt wurden! Die Erwartungen waren daher entsprechend hoch – und sie sollten nicht enttäuscht werden!

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Costa und seine Jungs rissen die Meute vor der Bühne direkt an sich und heizten uns sowohl mit ihren neuen Hits der „Schere, Stein, Papier“-Platte als auch ihre alten Scheiben mächtig ein. Schmiddi – ein guter Freund und regelmäßiger Konzert-Pal -  und ich waren daher nach einer knappen Stunde Pogo vom feinsten und der ein oder anderen Runde Crowdsurfing eigentlich schon ordentlich durch. Aber da war ja noch der eigentliche Grund, weshalb wir an diesem Abend im Haus Auensee waren: Flogging Molly! Und es ging auch direkt mit dem besten Song des neuen Albums los: „The Hand of John L. Sullivan“. Ohne wirkliche Atempause riss die Band direkt einen Hit nach dem anderen runter. So brauchte es auch keine großartige Ankündigung beim vierten Song, als Mr.Rob Schmidt zum Banjo griff und „Drunken Lullabies“ anzupfte. Crowd’s going crazy! Man vergaß, wie fertig man eigentlich schon nach der Sondaschule war. Die Menge tobte und pogte und die Band war sofort in ihrem Flow, sodass man das Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht bekam. Selbstverständlich durfte aber auch Mr. Dave Kings bessere Hälfte nicht fehlen: Mrs. Bridget Regan an der Fiddle, Tin Whistle und Uilleann Pipes. Gemeinsam mit Dave stimmte sie auf der Whistle „Rebels of the Sacred Heart“ an. Flogging Molly bringen es einfach fertig, mit einem Song-Intro die Menge sofort auf Hochtouren zu treiben und dann mit schnellen Rhythmen einzuheizen. Dabei greifen sie aber auch geschichtliche Hintergründe des vielmals besungenen Irlands auf, so etwa in „Tobacco Island“.

Alles im Allen war es ein grandioser Abend mit einer großartig aufgelegten Band mit einem ebenso fantastischen Support. Mit einem kleinen Lotteriegewinn würde ich mir direkt eine Kabine für die „Salty Dog Cruise“ buchen, zu der Flogging Molly seit ein paar Jahren einladen und zahlreiche hochkarätige Bands wie The Offspring und Skinny Lister in petto haben, und das auch von Übersee. So repräsentieren in diesem Jahr die großartigen Broilers den deutschen Punkrock auf der Kreuzfahrt. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, bis Flogging Molly wieder den Weg nach Leipzig finden!

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