Konzertbericht: Rogers in Siegen

Die Rogers sind auf Jubiläumstour und eröffnen diese im Siegener Vortex. Dort treffen die Düsseldorfer auf hochsommerliche (Innen-)Temperaturen und ein feierfreudiges Publikum. Aber von vorne...

Endlich wieder Vortex! Unglaublich wie lange meine letzte besuchte Show im Innenraum des Siegener Musikclubs her ist. So lange, dass ich mir nicht einmal sicher bin wann und welche Show das wirklich war. Während der Pandemiezeit war ich lediglich im Biergarten zu Gast, inklusive sehnsüchtiger Gefühle auf dem Weg durch den Innenraum zu den Toiletten. Heute werden diese hoffentlich gestillt. Um 17:50 Uhr noch fix zum Schnelltest, da das Vortex vernünftigerweise den Zutritt nur mit negativem Test gewährt, und dann ab ins Auto und die kurze Anreise bewätigen, natürlich mit der Musik der Rogers auf den Boxen. Aufgrund der Testregel bietet sich vor dem Club ein amüsantes Bild, da dieser auch mit durch das Vortex ausgegebenen Tests vor Ort durchgeführt werden kann. Es wird fleißig getestet und die Vorgabe stößt zumindest im Bereich meiner Augen und Ohren auf viel Verständnis und Zustimmung. Ganz ausschließen lässt sich das Risiko natürlich nicht, aber so zumindest eindämmen. Einlass ist heute 90 Minuten vor dem Beginn des Supports CONNY, der für den krankheitsbedingt ausgefallenen Bobby Lies einspringt. Das Vortex selbst und der Bereich vor dem Eingang füllen sich schnell. Endlich wieder normale Leute! In mir stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein, als ich mich mit einem Kaltgetränk auf einer Bank vor dem Club niederlasse und die zahlreichen weiteren Gäste beim Ankommen beobachte.

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CONNY eröffnet den Abend um 20:30 Uhr mit... Überraschung! Rap. Ich selbst kannte den Künstler bisher nicht und weiß nach wenigen Zeilen und den ersten Bässen, die durch den Konzertraum wummern, dass CONNYs Musik und meine Ohren sich heute Abend nicht nur vorsichtig annähern, sondern eine gemeinsame Zukunft haben werden. Es geht um tiefgründige Texte über Ironie oder den Gefühlszustand von Drake und das Beste ist, dass Siegen sich darauf einlässt, Mitsingparts stimmgewaltig übernimmt und CONNY die Anerkennung und den Applaus spendiert, den er mit diesem Auftritt verdient. Der Raum füllt sich während der Show immer weiter, CONNY und seine Begleitung auf der Bühne kommen an. Ich selbst genieße den Auftritt, lausche den Texten, kann den Künstler, der sich die Haarfarbe heute mit mir teilt, kaum aus den Augen lassen und bin sofort Fan. Gleichzeitig genieße ich es einfach nur in diesem Club zu stehen, einen Becher voll mit kaltem Getränk in der Hand zu halten und endlich wieder ein Konzert hier zu sehen. Die Temperaturen im Vortex sind noch auszuhalten. Dazu aber später mehr.

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In der zum Glück recht kurzen Pause zwischen CONNY und den Rogers füllt sich das Vortex immer weiter und mit jedem hereinkommenden Gast scheint die Temperatur ein Grad nach oben zu klettern. Ich merke an, dass die kurze Hose die absolut richtige Entscheidung war und bereue ein bisschen die Entscheidung, dass Rogers-Shirt vor der Show bereits gekauft und einfach übergeworfen zu haben. Die Lüftung, die mir dauerhaft kalte Luft um die Knöchel pustet leistet ebenfalls einen guten Dienst. Als das Licht schließlich aus geht und "Bro Hymn" von Pennywise als Intro ertönt kocht die Stimmung im Vortex hoch, die Rogers betreten unter Applaus im Nebel die Bühne und eröffnen mit "Mittelfinger für immer" ein Set, dass durch die Bank weg Stimmung macht. Es folgen Tracks wie "Zu spät", "Lila Blume", "Die Nachbarn von oben", "Wohin" oder das Cover von "Kreuzberger Nächte". Chris wird nicht müde zu betonen, wie geil es ist endlich wieder auf der Bühne zu stehen und wie großartig er den gesamten Abend findet. Schließlich trifft er den Nagel aber auf den Kopf, als er das Konzert als "Saunagang" bezeichnet. Ich selbst fühle mich mit meinen beiden Shirts mittlerweile wie ein Schwamm und gehe schließlich mitten im Set auf Tuchfühlung mit dutzenden anderen verschwitzten Menschen, als ich mir den Weg vor die Bühne bahne und mich dem Tanz namens Pogo widme. Es riecht nach Schweiß, ich spüre immer wieder klitschnasse Arme an mir und brauche recht schnell einen Moment zum Durchatmen. Also schaue ich mir einen weiteren Song ("Nie euer Land") aus nächster Nähe an und versorge mich anschließend wieder mit Getränken. Ein Griff in die Haare verrät, dass auch die komplett nass sind. Hier läuft wirklich allen, der Band am allermeisten, der Schweiß.

Einen großen Pluspunkt sammeln die Rogers bei mir, als sie mit Ansage auf Zugaben verzichten, das Set durchziehen und sich genauso mit Ansage mit "Einen letzten Abend" von Siegen verabschieden. Ich bin kein großer Fan von Bands, die die Bühne verlassen obwohl jeder Mensch davor weiß, dass sie noch mindestens einmal wieder zurück kommen und das gespielte Ende der Show genauso Show ist. Der erste Schritt aus dem Vortex raus beschert mir eine Gänsehaut, als verschwitzte und aufgewärmte Haut auf die Luft eines lauen Sommerabends trifft. Für die Rogers geht es in Göttingen weiter, ich fahre nach Hause und falle zufrieden ins Bett.

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