Konzertbericht: In Extremo bei „KulturPur“ in Hilchenbach-Lützel

Bei „KulturPur“ treten die Mittelalter-Rocker aus Berlin mit einer spektakulären Show bereits zum zweiten Mal auf. Das Zeltfestival im Siegerland findet in diesem Jahr zum 29. Mal statt und zieht mit einem vielfältigen Programm immer wieder tausende Besucher an.

360 Tage im Jahr ist die Ginsberger Heide bei Hilchenbach-Lützel die pure Idylle. Wanderer, Radfahrer und Erholung suchende finden im Grenzgebiet zwischen Siegerland und Wittgenstein inmitten von Bergen und Wäldern einen Ort der Ruhe und Entspannung. Im Winter lädt die Umgebung zum Ski fahren und Langlauf ein. Dieser Zustand hält so lange an, bis das Zeltfestival „KulturPur“ einmal im Jahr von Donnerstag bis Montag seine Tore öffnet und Acts aus allerlei Genres auf den Giller lockt. Das Festival hat viel zu bieten: In riesigen Zelten finden die Konzerte und Aufführungen statt, rund um die Zelte lockt „KulturPur“ mit einem vielseitigen Programm. Der Eintritt auf das Gelände ist frei und auch ohne Konzertticket gibt es für Groß und Klein viel zu erleben und zu entdecken. Neben einem Mitmachabenteuer für Kinder sind ein Trommelzirkus, diverse Theateraufführungen und viele weitere Unterhaltungen an allen Veranstaltungstagen kostenlos.

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Am heutigen Samstag tummeln sich dem wunderbaren Wetter geschuldet viele Gäste auf dem Giller und genießen das bunte Treiben bei einem vielseitigen Angebot an Speisen und Getränken. Neben In Extremo tritt heute Stefanie Heinzmann auf, am gestrigen Abend wurden Querbeat und Wincent Weiss bereits frenetisch bejubelt. Im Anschluss an In Extremo beginnt die Elektro-Nacht mit diversen DJs bis in die Morgenstunden. Am Sonntag kann man die Philharmonie Südwestfalen erleben, am Montag die Weltstars Status Quo. Das Team von „KulturPur“ spricht mit einem vielseiten Programm unfassbar viele Menschen an, die Konzerte sind oft in wenigen Stunden ausverkauft.

Auch beim Samstagsheadliner In Extremo konnten die Veranstalter im Vorfeld ein ausverkauftes großes Zelttheater vermelden. Den Folk-Rockern ist es zu verdanken, dass sich bereits über den gesamtem Tag schwarz gekleidete, durstige Fans der härteren Klänge friedlich unter die Festivalbesucher mischen. Bevor sich die Türen zum Zelt öffnen, spielen Rayquasa mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 13 Jahren auf dem Gelände Coverversionen von zum Beispiel „Smoke On The Water“ oder „Smells Like Teen Spirit“ und bekommen dafür jede Menge Applaus vom gut gelaunten Publikum. Im Zelt selbst herrschen aufgrund der Wetterbedingungen nahezu tropische Temperaturen, als In Extremo mit etwa 20 Minuten Verspätung mit „In diesem Licht“ und „Sängerkrieg“ das Konzert beginnen. Die Verspätung hat einen bitteren Beigeschmack, da die Zeit bei einem so eng getakteten Festival nicht einfach an das Konzert angehangen werden kann und somit verschenkt ist.

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Die Show von In Extremo bietet nicht nur Unterhaltung für die Ohren. Die Band wirkt perfekt eingespielt und die Dudelsäcke, Flöten und Harfen klingen im harten Sound der Berliner heute Abend einfach großartig. Darüber hinaus gibt es aber auch viel Freude für die Augen. Das Bühnenbild bestimmen drei Laternen, kaum ein Song vergeht ohne Pyrotechnik wie Flammen oder kleine Explosionen und die Lichtshow setzt die Musiker perfekt in Szene. Die Temperaturen im Zelt steigen durch die Flammen weiter an, einige Zuschauer vor der Bühne skandieren immer wieder „Pyrotechnik ist kein Verbrechen!“, ein Slogan, den man sonst vom Fußball kennt. In Extremo müssen darüber sichtlich schmunzeln und betonen immer wieder, wie viel Spaß sie heute Abend haben, der Gruß und Dank an die örtliche Feuerwehr ist selbstverständlich. "Irgendwann verbietet man uns das auch noch. Scheiß drauf, wir machen das trotzdem!" Ein klares Bekenntnis.

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Die Band performt eine gute Mischung aus älteren und neuen Titeln. „Herr Mannelig“, „Vollmond“ und „Liam“ werden vom Publikum genauso gefeiert und inbrünstig mitgesungen wie vor Allem die neueren Titel vom Album „Quid Pro Quo“ und Evergreens wie „Frei zu sein“ oder „Rasend Herz“. Die Besucher meistern jegliche Mitsingpassagen lautstark mit Bravour, die Verbindung zwischen Sänger "Das letzte Einhorn" alias Michael Robert Rhein und dem Hilchenbacher Publikum stimmt während dem gesamten Konzert. Während „Sternhagelvoll“ wird im Publikum geschunkelt was das Zeug hält, weiße Papierstreifen schießen durch die Luft und der Song wird nach dem Verstummen der Instrumente minutenlang allein von den Zuschauern getragen. „Pikse Palve“ als Rausschmeißer gibt der Band noch einmal die Gelegenheit zu zeigen, wie gut mittelalterliche Instrumente und Klänge in der härteren Rockmusik funktionieren, während der Pyrotechniker noch einmal alles auffährt. Nach einer Stunde und 40 Minuten schunkeln die nass geschwitzten Besucher glückselig in die mittlerweile abgekühlte Nacht hinaus.

 

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