Heisskalt im Wuppertaler U-Club

Heisskalt haben im vergangenen Jahr das bisher spannendste Album ihrer Karriere veröffentlicht. Die vertrackten Songs von „Vom Wissen und Wollen“ live zur Genüge zu transportieren, ist eine anspruchsvolle Aufgabe – die den Stuttgartern mit Bravour gelingt.

Es ist der 31. März. Am heutigen Freitag veröffentlichen Heisskalt ihr neues Live-Album, und nutzen diesen Anlass, um mit ihren Fans im Wuppertaler U-Club zu feiern. Dieser wartet zwar mit gesalzenen Preisen an Theke und Garderobe auf, gewinnt aber durch sein atmosphärisch beleuchtetes Kellergewölbe einen ganz besonderen Charme. Zwei Vorbands leiten den heutigen Abend ein. Memo an Miller beginnen vor dem angekündigten Konzertbeginn und spielen dadurch vor deutlich reduziertem Publikum auch wirsind zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht zugegen. 

Somit beginnt der Abend erst richtig mit An Early Cascade. Deren melodisch aufgeladener Alternative-Punk überzeugt auch live mit aalglatten Soundsphären. Sympathisch und ausgelassen entfacht die Band den ersten Moshpit des Abends und bittet zum Finale noch Heisskalt-Gitarrist Phillip Koch auf die Bühne. Ein gelungener Auftritt – die kleinen Zettel, auf denen ein Code für einen Gratis-Song-Download zu finden ist, sind am Ende des Abends fast alle verschwunden.

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Schließlich betreten die Hauptakteure die Stage. Sänger Matthias Bloechs Grippe scheint mit einem Mal verschwunden. Die vergangenen zwei Konzerte hatten Heisskalt noch kürzen oder sogar absagen müssen. Dass das Quartett nun umso motivierter auftritt, ist da keine Überraschung. Mit dem Opener „Nacht ein“ vollführt die Band einen der gewaltigsten und eingängigsten Tracks des aktuellen Albums. Ein sicherer Song, der augenblicklich eine gigantische Stimmung entfacht. Im späteren Verlauf des Sets arbeitet sich die Band dann in die etwas avantgardistischeren Tracks ihres Repertoires vor. „Angst hab“ wirkt im flackernden Stroboskop noch beklemmender als die Studio-Version, und das Song-Epos „Papierlunge“ lässt viel Platz zum gespannten Zuhören. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: Das Publikum erweist sich als extrem textsicher, singt jede Zeile in puristischer Genauigkeit mit und bewegt sich euphorisch zu allem, was ihm vorgeworfen wird. Das honorieren die Stuttgarter: In der Zugabe packen Heisskalt mit „Schatz“ und „Hallo“ zwei ihrer ganz alten Songs aus. Die sind vergleichsweise stumpf, garantieren aber wie immer ein bombastisch-ausgelassenes Finale. Und das darf an diesem Abend auch mal sein.