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Taubertal 2017 Bericht: Regen, Geheimclubs und enttäuschende Headliner

Do, 17.08.2017 - 08:29
Es war mal wieder Festivalzeit. Oh du schönes Taubertal, du zeigtest dich nicht von deiner schönsten Seite. Und doch machten dich ein paar Besucher zum schönsten Festival, welches ich je erleben durfte.

Die Anreise war für Mittwoch angesetzt. Isii, meine Begleitung, und ich waren eine knappe Stunde unterwegs, alles easy, alles locker. War ja schließlich strahlender Sonnenschein.

Zelt aufgebaut, Campingkocher ausgepackt, da geht die Misere schon los. Der funzte so überhaupt nicht. Als nach einer gefühlten Ewigkeit das Wasser immerhin warm war, wurde das Fertigfutter eben lauwarm zubereitet. Zu dieser Zeit hielten unsere Nachbarn Einzug. Bemerkenswert gut ausgestattet, inklusive Gitarre, Mikrofon und Verstärker. Nun war es weniger die Gitarre selber die uns zu ihnen lockte, es war viel mehr was sie spielten: „Frei von dir“ von Massendefekt. Also natürlich sofort rüber gegangen und vorstellig geworden. So verbrachten wir den ersten Abend entspannt zusammen, inklusive dem Eintritt in den exklusiven Buffalo-Club. Leider kann ich an dieser Stelle nicht näher erläutern, was es damit auf sich hat. Man muss erst Mitglied werden, dann bekommt man die Regeln erklärt. Aber ich kann alle beruhigen, es kann jeder Mitglied werden.

Festivalreporter Moritz (rechts) noch bei schönem Wetter

In der ersten Nacht schwenkte das Wetter um. Es fing an zu regnen und es zogen Winde auf, die einem in einem Zelt wie ein Orkan vorkommen. Am Donnerstag stand abends schon ein sehr spannendes Programm an. Die Eröffnung mit dem Schutzki-Mob, später dann der richtige Schutzki-Gig, gefolgt von den Rogers und Heisskalt. Skandalöserweise kannten unsere Nachbarn, mit denen wir auch hier wieder den halben Tag verbrachten, die wunderschönen Rogers überhaupt nicht. Das sollte sich ändern. Leider kam im Endeffekt nur einer mit. Alkohol, du böser Geist. Nun stand erst einmal der Schmutzki-Mob auf dem inoffiziellen Programm. Direkt vor dem Eingang zur Warm-Up und Afterschow-Area im Steinbruch wurde das Schlagzeug und eine Box aufgestellt. Schlagzeuger, Gitarrist und Sänger eröffneten mit ungefähr hundert Menschen das Taubertal Festival. Auf den nicht minder spaßigen Hauptact von Schmutzki folgte der von mir lang ersehnte Auftritt der Rogers. Im strömenden Regen feierten sie ein Fest ab und präsentierten den neuen Song „Einen Scheiß Muss ich“. Einfach wundervoll. Es folgte Heisskalt, nicht minder stark, auch wenn zum Schluss die Technik versagte, sodass es aussah, als ob die Veranstalter die Band von der Bühne haben wollten. So endete für uns der erste musikalische Abend und wir wussten, dass er gut war.

Der Freitag war sehr voll an Programm. Los ging es auf der kleineren „Sounds for Nature“-Bühne mit Liedfett, die dem anhaltenden Regen gekonnt die Stirn boten. Auf der Hauptbühne begannen die Irish Folk Rocker Fiddlers Green aus Erlangen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Regen und der Wind noch stärker, sodass wir unsere Sachen aus dem Zelt in unser Auto packten um die Nacht dort zu verbringen. Weise Entscheidung. Der Boden wurde in der Nacht so weich, dass unsere Heringe nicht mehr hielten und unser Tipi in sich zusammen fiel. Aber zurück auf das Konzertgelände. Wir flüchteten erst einmal von der Hauptbühne, Jennifer Rostock enterten diese. Kann man mögen, ich mach es nicht. Außerdem folgte auf der „SfN“- Bühne schon ein von mir lang ersehnter Gig: Kyle Gass Band feierten ein Feuerwerk der guten Laune ab. Das Highlight war, dass er tatsächlich auf der Bühne seine Blockflöten auspackte und Solos spielte. Gleich zweimal spielte er zwei Flöten gleichzeitig. Dinge die man mal gesehen haben sollte. Anschließend folgte auf der Hauptbühne The Amity Affliction. Die konnten mich aber absolut nicht überzeugen. So sehr ich sie auch im Studio mag, auf der Bühne war das einfach zu wenig. Gleiches gilt für den ersten Top-Headliner. Rise Against ließen sämtliche Power vermissen und wirkten ziemlich ausgelaugt. Somit war der Freitag geschafft.

 

Kyle Gass mit Doppel-Blockflöten-Soli

Der Samstag begann für unseren Klan erst relativ spät, nämlich mit den Emil Bulls aus München auf der Hauptbühne. Trotz des anhaltenden Mistwetters und einer relativ dünnen Masse, heizten sie ordentlich ein und belohnten diejenigen die sich vor die Bühne gewagt haben. Während der Umbauphase zeigten uns die Jungs von Counterfeit eine neue, überaus dynamische Art des Punkrocks. Klasse Performance. Dann endlich der langersehnte Gig: Anti-Flag! Die Männer aus Pittsburgh, Pennsylvania wissen einfach, wie man Stimmung macht. Alles, was eine gute Anti-Flag Show ausmacht, und noch mehr war geboten. Ihre Coverversion zu „Should I Stay Or Should I Go“, das Drumset im Publikum bei „Brandenburg Gate“ und oben drauf noch eine Version von „Tubthumping (I Get Knocked Down)“ von Chumbawamba. Einfach wundervoll. Einziges Manko: Durch wiederholtes drauf treten nahm mein großer Zeh eine Form und Farbe an, die man an keiner Stelle seines Körpers sehen möchte. Deswegen traten wir dann bei Biffy Clyro stark auf die Bremse und mussten Casper vollständig ausfallen lassen, nicht ohne ein tränendes Auge. Vor uns lag auch noch der viel zu lange Weg vom Konzertgelände zum Campingplatz. Aber dafür hat man ja Freunde. Und unsere Nachbarn waren und sind echte Freunde. Nach unserem Zelt verabschiedete sich dann auch unser Campingkocher, auch da wurde uns geholfen.

Und dann ist auch schon Sonntag. Der startet gleich mal fantastisch: Strahlende Sonne, kaltes Bier und Itchy. Was will man mehr? Und dann ist da natürlich noch der Emergenza Contest, einer der größten Bandcontests der Welt. Erster Preis: Ein Gig auf der Hauptbühne des Taubertal Festivals.

Der diesjährige Sieger kommt aus Kopenhagen. „The Agency“ sind blutjung, der älteste ist eben erst 18 geworden. Beeindrucken konnten sie mich mit ihrer Performance nicht, da habe ich schon andere ähnlich alte Jungspunde gesehen die da deutlich stärker sind. Es sind die kleinen Teufel von „Giant Rooks“ gemeint. Aber trotzdem: Den Jungs von „The Agency“ winkt nun ein Plattenvertrag bei Marshall Records. Aber was folgte sollte eines der absoluten Highlights des Festivals werden. In Extremo auf der Bühne sind und bleiben ein unbeschreibliches Erlebnis, welches jeder einmal gesehen haben sollte. Pyrotechnik, zwei Dudelsäcke und noch ein halbes Dutzend andere Instrumente, gespielt von einem großen dicken Mann. Das ist auch für das ungeschulte Auge ein Hingucker. Der Auftritt lässt sich mit einer kleinen Anekdote perfekt zusammenfassen: Beim zweiten Song der Setlist, „Vollmond“, ist Specki, dem Drummer, die Fußmaschine der Bassdrum gebrochen. Weißte Bescheid.

Die Sonne ging schon langsam als die Masse vor der Hauptbühne langsam weiter anschwoll. Grund dafür: Alligatoah. Zusammen mit seinem, von mir sehr hoch geschätzten, Back-Up Battleboi Basti, enterte er die Bühne. Allerdings wurde aus Battleboi Basti nun der Butlerboi Basti. Eine weitere Besonderheit bei Alligatoah, er rappt meistens nicht auf irgendeinen Computerbeat, denn er hat seine als Engel mit Sprenggürtel verkleidete Band Das Geflügel dabei. So wie immer wenn er auf der Bühne steht, wirkt Alligatoah vollkommen zugekokst. Wer weiß, vielleicht war er es auch.

Die Antilopen Gang musste ihren Gig verletzungsbedingt leider absagen, Ersatz war zum Glück für ein kleines Akustik-Set schon vor Ort. Und so spielten The Prosecution nach einem kleinen Set auch noch einen Gig auf der „SfN“-Bühne. Und was für einen. Ganz ganz Groß.

Was folgt ist sehr sehr traurig, denn der absolute Top-Headliner versagte leider auf ganzer Linie. Daher ganz kurz gemacht: Billy Talent haben mich nun oft genug live enttäuscht. Das war vorerst das letzte Mal für mich.

Dieses Festival bleibt für mich wohl auf ewig in guter Erinnerung, allerdings nicht unbedingt wegen der tollen Acts und der schönen Location. Grund dafür waren die fünf Männer, die uns mehr als einmal den Arsch gerettet haben und mir unglaublich ans Herz gewachsen sind. Alleine alle Geschichten mit ihnen könnten einen ganzen weiteren Text füllen.

Daher:

Isii, Schlossi, Philipp, Alex, Dennis und Schoko, das ist für euch.

Buffalo.