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Konzertbericht: Riot Vision Fest 2018 in Essen

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Di, 13.02.2018 - 17:55
Natürlich fängt es an zu regnen, wenn man los muss. Die Jacke flink zugeknöpft und mit schnellen Schritten geht es zur S-Bahn. Essen ruft und zwar laut. Das Riot Vision Fest 2018 verspricht gute Musik und ein familiäres Ambiente mit etwa 200 Fans des gepflegten Krachs.

Die S-Bahn-Fahrt ist unspektakulär. Nachdem das GPS am Handy streikt und der Weg erst gesucht werden muss, findet sich eine Gruppe Gleichgesinnter als Begleitung. Kurz nach 17 Uhr werden die Türen zum Cafe Nova geöffnet. Nach einem schnellen Blick auf die sich noch im Aufbau befindlichen Merch-Tables geht es zur Bar und das erste Pils leitet den Konzertabend ein. Die Essener von Elwood Stray starten um 18 Uhr und geben den schon zahlreich erschienen Fans das, worauf hier alle gewartet haben: gute Musik. Moderner Hardcore mit Melodie und guten Breakdowns lässt erahnen, was der Abend noch so bereithält. Die Band gibt alles und treibt die Leute in den Hauptsaal.

Nach ungefähr 30 Minuten ist die Show schon vorbei. Sichtlich euphorisch verlassen die Jungs die Bühne, nicht ohne Applaus zu ernten. Direkt fällt auf, dass der Sound sehr gut abgemischt und für Core-Verhältnisse unglaublich sauber ist. Das zieht sich über den gesamten Abend und zu keinem Moment kommt Matsch aus den Boxen, was einer guten Tontechnik und einem guten Team geschuldet ist.

Danach kommen The Pariah aus Bottrop und füllen den Saal mit Melodic Hardcore vom Feinsten. Publikumsinteraktion wird im Core-Bereich großgeschrieben und findet auch heute Abend oft statt. Die Gäste gehen dankbar darauf ein und machen den Abend für beide Seiten lohnend und spaßig. Die ersten Mosh Pits und Tanzeinlagen sind bei den Bands aus NRW schon zu sehen. Einige halten sich noch zurück, vielleicht aus Angst, beim Headliner POLAR sonst kraftlos dazustehen.

Riot Vision Fest

Nach einer kleinen Pause starten dann die Niederländer von 18 Miles. Die Mischung aus Hard- und Metalcore findet hier viele dankbare Ohren und wird mit Tanz, erhobenen Bechern und Klatschen belohnt. Der Saal, der bei Veranstaltungsbeginn schon gut gefüllt war, wird stetig voller und auch die Abendkasse hat keine Tickets mehr. Das Familienfest ist in vollem Gange und die Stimmung ist ebenso gut wie die Auswahl an Bands. Auch wenn es um Hardcore geht gibt es Abwechslung, und seien es nur Nuancen, die jede Band sehens- und hörenswert machen.

Das beweisen auch die Jungs aus Tschechien. Skywalker bringen ein wenig Pop-Punk in den Abend und zeigen, wie auch schon die Bands davor, Spaß am Spielen und eine begeisternde Bühnenpräsenz. Direkt nach den Konzerten sind die Bands am eigenen Merch-Stand zu finden, verteilen Autogramme und reden mit den Fans. Auch hier kommt einem das Wort „Familie“ in den Sinn, welches im Genre des Hardcore sehr hochgehalten wird. Immer wieder sieht man die Bandmitglieder tanzend oder kopfnickend im Konzertsaal stehen und den anderen Bands lauschen.

Die vorletzte Band des Abends, Moments, kommt aus Belgien und wie auch schon 18 Miles, sind Landsleute mit angereist - nicht umsonst, wie sich zeigen sollte. Energiegeladen und mit Wut im Bauch spielen sie eine gelungene Mischung aus Hard- und Metalcore und treiben das Publikum zu Tanzeinlagen an. Als die Band die Bühne verlässt sind nicht nur die Jungs, sondern auch Teile des Publikums sichtlich erschöpft und doch glücklich.

Dann gibt es die letzte Pause und das letzte Mal frische Luft. Zwischen den Konzerten werden immer die Fenster weit geöffnet, um das kleine Cafe Nova mit Sauerstoff zu versorgen. Draußen treffen sich die Raucher und fühlen die Lungen mit Nikotin, während man das ein oder andere Wort mit den Musikern wechseln kann. Überraschend gut funktioniert der Zeitplan, obwohl das Team nicht hauptberuflich Festivals organisiert. Die Bands starten pünktlich und Verzögerungen sind, wenn überhaupt, nur minimal. Die ca. 200 Besucher sind gut gelaunt und auch die Musiker scheinen den Abend zu genießen.

Riot Vision Fest

Dann werden die Fenster und Türen geschlossen. POLAR sind da und bereit, das Publikum an seine Grenzen zu bringen. Die Briten sind seit neun Jahren im Geschäft und beweisen heute erneut, warum das so ist. Ansagen und Aufforderungen zum Tanzen oder Stagediven werden dankbar ausgeführt und so ist das Publikum stetig in Bewegung. Sänger Woody klettert dann während des Sets auch noch auf die Balustrade des Tontechnikers und lässt sich nach einem Sprung vom Publikum zur Bühne tragen.

Der Einladung, auf der Bühne bei „Black Days“ mitzusingen, folgen viele Fans und Woody steht begeistert und scheinbar sprachlos da. Ließ sich bisher die Temperatur mit Lüften noch im Erträglichen halten, kocht das Cafe Nova nun und Band wie auch Publikum sind schweißnass. Textsicher und euphorisch feiert das Publikum jeden Song und lässt die 200 Zuschauer wie Tausende wirken.

Kurz nach 23 Uhr und mehreren Zugaben kehrt Stille im Cafe Nova ein. Es ist vorbei. Das Riot Vision Fest 2018 war laut, unterhaltsam und begeisternd. Bands und Fans haben hier gemeinsam gefeiert und das gemacht, was sie am liebsten tun: zu guter Musik eine gute Zeit gehabt. Erschöpft und glücklich verlassen die Leute das Cafe Nova und eilen zu Auto oder SBahn, um in das warme Bett zu kommen.